Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 39.1916-1917

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facsimile
2^nterhaHChe Herren' aus Berlin der eine,
0rtüberdeaKn ^ ™ einem Schweizer Kur-
zwischen de 7^ "^as wird der Unterschied
'hm sein?" ^^t^ Vor dem Kriege und nach
."Vor dem Kr einfach-" meint der Berliner,
jearbeetet "^u ^am Wa von acnte bis siebene
bene bis acht ^rie£ wern wa von sie-

ben deutsh arb,eeten-" So Stands in einer
UndauchauslC a Zeitung. der es viele deutsche
dabei an ein ^ lsche nachdruckten. Ich wurde
Bossen eri 1 e'nes ehemaligen Studien-
Attache ein nDert' der es ^zwischen bis zum
bracht hat MUnS HeUte kindlichen Macht ge-
teln". Wie'e • Vielen Titeln- aber wenig Mit-
des Krieöe r n°ch kurz vor dem Ausbruch
Deutschland faUS Belgrad schrieb. Er liebte
einer Fahrt d i mehr als seine Heimat. Auf
meinte er tra ■ westfäliscne Kohlenrevier
dieses deut ^"^u "^'e scnön war auch einst
Höfen und . Herzogtum mit seinen großen
versuchte nhSrnCr StUlen Kleinindustrie." Ich
mit den Ge ,OSOPhisch diese äußere Wandlung
•ichen Ges^lUh ^ Fortscnrittes der mensch-

ruhenden a
Segens zu

er bitter Ihr Fl " ■ »«uigsu, „ja, meinte
arbeiten bis 11 hen werdet noch solange
den Streber /nderen über Euch wie über
den-" Das m ■ Schulklasse herfallen wer-
Ich hatte balTrl ^ Sornmer des Jahres 1906.
den manche d -rt ver&essen- Jßtzt wer-

testen Patriot SeWiß n'cht zu den schlech-
un,gebenden Knt*gehÖren' angesichts der uns
ähnlicher Erken t V°n Haß Und Miß

gunst mit

*en- geblickt hlk aüf Unsere Art-

zu arbei-

dle Straßen unse Man braucht nur durch
2,nd kleinsten St vn großen. ja auch kleineren

^senbahnfenster u- ZU gehen- man mag zum
drangtsichdasA K lnaUSSchauen ~ überall
^älender Forn?" ttsangebotin aufdringlicher,
Keklamen jede a ausenden von Aufschriften,
Wen'gen Laden/ < ent£egen. Firmen mit
,Sdreißigmalin ^nschreien uns zwanzig-
St? Budike^Namen ™X^™< der klein-
SChilder seiner rmmt ZWei bis d«i Riesen-
scbraubt, über Q raUerei ans Ha"s fest ver-
Selb^indie NL?taü Dl Balkone- übers Dach,
aufschriften vr,r i^"' klettcrn die Reklame-
5est° größe'r d/är!! KLin0< >e kleiner es ist-
den schaue^06'1 -Ch die Plakattafeln mit
lurj

GEGEN DIE MASSLOSE REKLAME.

tschrittes der mensch-
und des in der Arbeit
zu verteidigen. „Ja," meinte

schanp , angCn sich die
*auerhch ten ^

nSen, an dieTIT nintertreppen - Darstel-
kralie— bis a« die Vor-

gartengitt;rdiie Jradenwand

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iken (Schoko-

lade, Seife, Zigaretten, Suppenwürzen, Wasch-
mittel usw.). Schon nach einer halbstündigen
Großstadtwanderung ist das Auge wie betäubt.
Die Industrie arbeitet mehr und mehr nach dem
Rezepte des vor kurzem gestorbenen Odol-
Lingners : Die Reklame muß derartig ein Schlag-
wort in das Gehirn des Publikums hineinhäm-
mern, daß es wie unter einer Suggestion nur
noch auf diesen einen Artikel sich besinnen
kann. Hat aber wirklich die Allgemeinheit an
den Fabrikaten eines Herrn ein solches Inter-
esse, daß es von ihnen bis zum letzten Trunk
vorm Schlafengehen im Hotel aus dem „Odol-
glase " Kenntnis nehmen muß ? Gehört nicht die
Stadt mit ihren Straßen der Allgemeinheit, in
denen leider schon der größte Teil unseres
Volkes sein Leben hinbringen muß! Versuchte
bisher der Heimatsschutz, der Kunstfreund auch
nur die schlimmsten Auswüchse zu beschneiden,
so durften sie mit Gewißheit die lächelnd vor-
getragene Antwort hören: „Ihre Bestrebungen
sind sicher schön und gut. Aber im Geschäft
entscheidet nur der Erfolg. Und vom Geschäft
verstehen Sie nichts." Deutschland hat un-
zweifelhaft auf diesem Wege äußerlich glän-
zende Erfolge gehabt, hat prozentual Frank-
reich, England, ja Amerika überholt. Aber
stehen die unendlichen Opfer dieses Krieges,
dessen eine Wurzel in der gewaltigen Konkur-
renz Deutschlands zu suchen ist, in einem Ver-
hältnis zu diesem Erfolge?

Wir haben während dieses Krieges gründlich
umdenken gelernt. Eingriffe in das persönliche
Recht zu Gunsten der Allgemeinheit sind selbst-
verständlich geworden, werden sogar von allen
Bevölkerungsschichten gefordert, um den früher
fast künstlich großgezüchteten Egoismus des
Einzelnen auszuschalten. So erscheint die Zeit
besonders günstig, alle Kunstfreunde gegen die
Auswüchse und Unarten der Reklame zum
Kampfe aufzurufen. Der neue Polizeipräsident
von Berlin, Herr v. Oppen, begann seine Tätig-
keit mit dem Verbot der Kinoplakale. Sofort
ereignete sich ein Wunder, das früher kein
Kunstfreund nach endlosen vergeblichen Be-
mühungen mehr für möglich gehalten hätte:
dieselben Herren Kinobesitzer wandten sich an
Herrn v. Oppen um Gewährung künstlerisch
und bescheiden gehaltener Plakate, die früher
brüsk jede Anregung nach dieser Richtung hin
abgewiesen hatten. Zu den Kunstfreunden
geselle sich der Hygieniker: Unsere Nerven
sind in den letzten Jahren nicht besser ge-

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