Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 39.1916-1917

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ALTE BRÜSSELER KLÖPPELSPITZE« ERSTE HÄLFTE DES I 8. JAHRHUNDERTS (DARSTELLUNG DER HEILIGEN FAMILIE).

ERINNERUNG AN GUSTAV SCHÖNLEBER f

Selbst bei denen, die zu Hause sterben, scheint
der Tod heute andere Bedeutung zu haben
als sonst. Glaubt man nur, daß alles mit dem
Krieg zusammenhänge, oder ist es so? Ganz
kann niemand Ursachen und Wirkungen kon-
trollieren: am allerwenigsten, wenn sie aus
dem Körperlichen ins Geistige hinübergreifen
— in das, was am irdischen Menschen meta-
physisch ist. Als ich die Nachricht vom Tode
Gustav Schönlebers las, vermochte ich nicht,
sie vom Zustand der gegenwärtigen Mensch-
heit zu trennen. Dies mag ganz töricht sein
oder ein wenig richtig: sicher ist, daß ein guter,
ganz menschlicher Mensch, ein Freund der
Menschen gestorben ist. Ich zähle es als ein

Glück, einen elysäischen Sommer in seiner un-
mittelbaren Nähe gelebt zu haben — heute
vielleicht mehr als je.

Kein Eindruck von ihm ist — ohne daß darum
seiner Kunst das Mindeste entzogen werden
soll — nachhaltiger geblieben als der seiner
liebenswerten und verehrungswürdigen Mensch-
lichkeit. Als ich vor bald 17 Jahren als Haus-
lehrer seiner Söhne seine Sommerwohnung am
flandrischen Strand betrat, sah ich zum ersten-
mal das Haus eines Künstlers. Dem Bild dieses
Daseins fehlte jede artistische Geste. Dinge,
Menschen, Gewohnheiten hatten einfachen und
unbefangenen Zuschnitt. Alles war frei und
klar — gleich fern vom Preziösen wie vom
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