Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 39.1916-1917

Page: 132
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1916_1917/0144
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Das Haus der Freundschaft in Konstantinopel.

FRF.II.ICHT-AUFFÜHRUNG IN DARMSTADT.

»MELITTA UND PH AON« SAPPHO II. AUFZUG.

tionär oder Leutnant (Phaon), und ein belie-
biges süßes Mäderl, Zöfchen oder Ladnerin
(Melitta). Die uralte traurige, aber naturgemäß
unabänderliche Geschichte von dem aussichts-
losen Wettstreit der weiblichen Überreife mit
der siegreichen dummen Jugend wird durch das
klassische Kostüm keineswegs zu einer auf-
wühlenden Tragödie, aber die warme Mensch-
lichkeit des Dichters und der meisterhaft schlichte
dramatische Aufbau zwingen selbst uns ge-
hetzten Nervenmenschen von heute noch herz-
liche Teilnahme und künstlerische Hochachtung
auf. Der feinsinnige Spielleiter hatte mit er-
lesenem Geschmack in den ungemeinstimmungs-
vollen architektonischen Rahmen Bilder von
hohem malerischen Reiz hineingestellt und als
trennenden Vorhang zwischen den Akten eine
versteckte, gedämpfte Musik wirken lassen.
Fräulein Eichelsheim wurde der gekrönten
Dichterin durch ihre edle, beseelte Deklamation
und vielleicht noch mehr durch ihre herrliche
Gebärdensprache vollkommen gerecht, und der
junge Frankfurter Darsteller Adolf Manz war
ein idealer Phaon, ganz nur lieber, unverdorbe-
ner Bub. Auch die übrigen schauspielerischen
Leistungen standen auf achtbarer Höhe und

auch der spürbare Dilettantismus der anmutigen
Melitta störte nicht bei soviel Sonnenschein und
blauem Himmel, Blumenduft und Farbenschmelz
— ebensowenig wie die christlichen Abend-
glocken und das vorwitzige Motorgebrumm
des Kriegsvogels von 1916, der seine Kreise
nahe an die Insel Lesbos heranschwang. Alles
in allem genommen: es war diese Sappho auf
der Mathildenhöhe ein reines, herzerquickend
idyllisches Kunsterlebnis, das alle Teilnehmer
in dankbarer Erinnerung behalten werden. —

ERNST VON WOLZOGEN.

£

DAS HAUS DER FREUNDSCHAFT IN
KONSTANTINOPEL. Der Wettbewerb
um das Deutsch-türkische Freundschaftshaus,
an dem auf Vorschlag des Deutschen Werk-
bundes 12 deutsche Architekten aufgefordert
wurden und zwar Prof. Peter Behrens, Prof.
German Bestelmeyer, Prof. Paul Bonatz, Prof.
Hugo Eberhardt, Professor Martin Elsässer,
August Endell, Prof. Theodor Fischer, Walter
Gropius, Prof. Hans Pölzig, Prof. Bruno Paul,
Prof. Richard Riemerschmid, Bruno Taut, führte
dazu, daß in den letzten Wochen eine Reihe
dieser Herren, eingeladen von der Deutsch-
loading ...