Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 39.1916-1917

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P. KNAUER-HASE—MÜNCHEN.

LANDSCHAFT » HAFENPLATZ «

STÄDTISCHE (PROVINZ-) SAMMLUNGEN.

Im währenden Kriege hat sich erwiesen, daß
zwar aller Technik eine größte Bedeutung
zuzuweisen ist, daß aber alle diese mechani-
schen Werkzeuge kraftlos geblieben wären,
wenn sie nicht ein selbstloser und hingebender
Wille geleitet hätte. Und diesem wird auch bei
der Wiederaufnahme der Friedensarbeit die
ausschlaggebende Einwirkung zuzuweisen sein.
Derartige ethische Werte im Volk erstarken zu
lassen, sind in erster Reihe die bildenden Künste
berufen. Zur Pflege dieses Fühlens und Wol-
lens dienen für die Laienwelt die Universitäten
und die Museen. Ich denke hier an kunst-
wissenschaftliche Arbeitsgebiete jedes Namens,
und hoffe, daß sie wieder von der ästhetisieren-
den-technischen Auffassung befreit und unter
dem Schutz der historischen bezw. kulturhisto-
rischen Betrachtung gestellt werden. Und ich
denke weiter an die praktische Erweiterung
dieser historischen Schulung durch Sammlungen
in Stadt und Land; denn von Jugend auf muß
der künstlerische Sinn gepflegt werden. Das
„Beispiel" muß auch in diesem Falle das maß-

gebende erzieherische Wort erhalten. — Was
verlangen wir in der Provinz von einer Kunst-
sammlung? Es soll ein Zentrum aller künst-
lerischer Erziehung sein. Aus diesem Grunde
muß sowohl die lokale wie auch die groß-
deutsche bezw. die internationale Kunst ge-
pflegt werden. Die angewandte wie die hohe
Kunst soll in gleichem Maße zu ihrem Recht
gelangen. Allerdings darf dann nicht nur der
feinsinnige Antiquar und Sammler am Bera-
tungstische sitzen, sondern auch der tiefblik-
kendeFreund der Musen, der kulturhistorische
Kunsthistoriker. Die „eingeborene" künst-
lerische Tätigkeit wird allerorten in erster Linie
dem praktischen Leben zugewandt sein. Die
Heimatmuseen und die Kunstgewerbesamm-
lungen finden hier ihr Arbeitsfeld. Überall
müssen in unserm Vaterlande bis in die Dörfer
hinein derartige Museen begründet werden.
Erhebliche Anfänge sind auch bereits vielfach
vorhanden. Denn es heißt: „gehe vom Häus-
lichen aus und verbreite dich, so du kannst
über die ganze Welt". So du kannst! Sind nur

BEB
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