Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 39.1916-1917

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Dagobert Peche—Wien.

ARCHITEKT DAGOBERT I'ECHE-WIEN.

»DOSEN IN SILBER MIT MOOSACHAT«

Werkbund-Ausstellung zu Köln erregten die
Glasfenster dieses Künstlers das allgemeine
Interesse. Ganz aber fand sich Peche zum ersten
Mal, als er im vorigen Jahr die große Wiener
Mode-Ausstellung räumlich gestalten durfte.
Die Leser dieser Zeitschrift
kennen aus Abbildungen
die poetische, sensitive
Stimmung in der der Innen-
Dekorateur den Duft von
Frauenmode einfing. Zärt-
lichkeit ist ja eine der Leit-
gefühle, die Peches Linie
ihre bewegte Kurve gibt.
Und aus dieser Linie spricht
im letzten, geheimsten Ge-
ständnis der Gotiker, der
wie überall hinter dem ge-
lösten, leidenschaftlichen
Sein des Barocks aufer-
steht. — Und auch der
Flammen-Stil Peches kennt
den Sang der unerwarte-
ten Farben - Harmonien.
Der neuen Stoffniederlage
der Wiener Werkstätte
prägt Dagobert Peches
Phantasie in Geweben und
Spitzen einen intensiven,
beschwingten Stil. Er ist
der Künstler des unwieder-
holbaren Einfalls; er ist
aber auch der von Joseph
Hoffmann erzogene tekto-
nisch durchgebildete Ord-
ner, der den Überschwang
seines Rhythmus zu däm-
men Weiß. B ZUCKERKAN DL.

VSS

DAGOBERT PECHE WIEN. »TEEDOSE IN SILBER

OM STILLEBEN. Das klassische Volk des
Hebens sind die Niederländer. Und erst
von der niederländischen Blüte des Stillebens
aus hat sich dieses auf dem Wege des Völker-
verkehrs die Welt erobert. — Auch die Nieder-
länder freilich haben das
Sliiieben nicht erfunden.
Dieses ist vielmehr uralt.
Schon die alten Griechen
haben es gekannt, und es
sind uns auch antike Still-
leben erhalten geblieben.
Ein Fischstilleben aus der
Markthalle von Pompeji
sei genannt und ein Still-
leben aus Büchern,Schreib-
zeug und Rollen, das eben-
falls in Pompeji in einem
Privathause zum Vorschein
gekommen ist. — Nach
dem Untergang der grie-
chisch-römischen Welt ge-
riet das Stilleben wohl et-
was in Vergessenheit. Das
Mittelalter hatte für das
beschauliche Betrachten
der irdischen Umwelt nur
wenig übrig. Es lebte und
dachte in Begriffen und
Symbolen. Erst Franz von
Assisi hatte wieder ein
Gefühl für die Natur. Ihm
war sie nicht mehr ein
Werk des Satans, nur ge-
schaffen, um denMenschen
in Versuchung zu führen,
ihm war sie wieder etwas
Nahes und Vertrautes. Er
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