Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

Page: 147
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1930_1931/0151
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ENTWÜRFE FÜR DRUCKSTOFFE UND TAPETEN

In einer Zeit, da jeder Künstler eifrig darauf
bedacht ist, seine persönliche Note zu wahren
und dieselbe auch nach außenhin möglichst zur
Geltung zu bringen, ist es keine alltägliche Er-
scheinung, daß sich zwei Künstler zu gemein-
schaftlichem Schaffen vereinigen, in dem ihre
Individualitäten zu einer nahezu untrennbaren
Einheit verschmelzen. In England gab es zu
Beginn unseres Jahrhunderts zwei Radierer
Maurice und Edward Detmold, die, stets ge-
meinsam arbeitend, eine so erstaunliche Gleich-
artigkeit des Talents, der künstlerischen Ziele
und des Lebensganges aufwiesen, daß sie, wie
ihr Biograph Campbell Dodgson meinte, „wie
eine Seele erschienen, die in zwei Körper ver-
teilt war". Sie waren Zwillingsbrüder, und
dieser Umstand trägt gewiß manches zur Er-
klärung des sonderbaren Phänomens bei. Im
Falle der beiden Wiener Künstlerinnen Elsa
Engel-Mainfelden und Maria Lucia
Stadlmayer, die sich schon seit mehreren
Jahren zu einträchtigem Wirken zusammenge-

schlossen haben, fehlt jede verwandtschaftliche
Bindung. Es ist lediglich die Zugehörigkeit zur
selben Schule und eine seltene geistige Har-
monie, die sie dazu führte, in engste Werk-
gemeinschaft zu treten. Und der überraschende
Erfolg, der ihren Arbeiten überall beschieden ist,
beweist zur Genüge, wie wertvoll die Vereini-
gung gleichgerichteter künstlerischer Kräfte ist.

Unsere Künstlerinnen haben im gleichen
Jahre (1906) das Licht der Welt erblickt, Elsa
Engel-Mainfelden in Wien, Maria Lucia Stadl-
mayer im niederösterreichischen Orte Haag.
Elsa Engel besuchte zuerst das Gymnasium,
dann durch drei Jahre die Graphische Lehr-
und Versuchsanstalt, wo sie vor allem nach der
Natur zeichnete und malte. 1925 kam sie an
die Kunstgewerbeschule zu Professor Dr. Josef
Hoffmann und hier erfuhr ihre starke deko-
rative Begabung die richtige Anregung und För-
derung. Sie entwarf Textilmuster, Packungen,
Teppiche und Kostüme und errang bei den von
dem Verlag Alexander Koch veranstalteten
loading ...