Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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Was überwindet unsere Kunstkrise?

daß es sich um einen Frontwechsel von
der Betonung der Form zu der des In-
halts handelt. Was den Betrachter, und am
Ende auch die Künstler selbst, am stärksten
berührt, sind längst nicht mehr Formprobleme.
Freilich wird wieder das Handwerkszeug der
Kunst geachtet, „man kann seine Sache": aber
das ist nicht das Wesentliche.

Dies ist der erfreuliche Hauptunterschied
gegen die kurz vorhergehende Epoche. Die
besinnungslose Anbetung der Nuance, des Tons
und des letzten Druckers hat ausgespielt. Die
Maler wollen vom Volk, von der Allgemeinheit
verstanden werden. Sie malen das allen Ge-
meinsame, das gemeinverständliche Elend und
die volkstümlichen Freuden, sie empören und
sie ergötzen sich mit den Hunderttausenden,
sie rollen die Breite des Lebens vor uns auf,
sie feiern den lieben Alltag und erfinden zeit-
gemäße Märchen. Kurzum, es geschieht wieder
etwas auf der bemalten Leinwand, es geschieht
sogar viel. Allerdings nur im Gebiet der deut-
schen Kunst. Aber das ist kein Beweis gegen
unsere Maler, sondern ein sehr lebendiger und
durchschlagender für ihre Vitalität und Lebens-

verbundenheit. Und also für die Unverwüstlich-
keit und Zukunftskraft der deutschen Kunst.

Vielleicht treffen sich Laienkunst und Be-
mühen der Künstler um volkstümliche Deutlich-
keit auf halbem Wege. Jedenfalls wollen sie
beide dasselbe, von verschiedenen Seiten her.
Unser Lebensgefühl und unser guter Optimis-
mus sollen und werden Sieger bleiben......

paul f. schmidt.

WOCHENEND-HAUS EINES MUSIKERS,
erbaut von Dr. R. Oppenheim und Otto
Block, knapp 20 Minuten von Berlin entfernt am
Ufer des kleinen Dorfsees Groß-Glienicke. Den
Kern bildet die Halle mit drei Türen zur Terrasse
auf der Seeseite. Ein kleines Arbeitszimmer mit
breiter Tür zum Garten, sowie das Schlafzimmer
mit eingebauten Möbeln liegen zu beiden Seiten
der Halle. Bad, Küche und Mädchenkammer
liegen straßenwärts. Bei wachsendem Raum-
bedarf kann dem Hause ein Obergeschoß auf-
gebaut werden. Das massive Dach bildet dann
den Fußboden des Obergeschosses. Die Bau-
kosten des unterkellerten Hauses mit Garage
und Pergola betrugen 18 000 Mark. — r.
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