Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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KOLLEGIALITÄT UNTER KÜNSTLERN

VON HERBERT EULENBERG

Sie ist nicht gerade allzu häufig unter den
heutigen Künstlern vorhanden, diese Eigen-
schaft der Kollegialität. Ja, wir Deutsche, die wir
zu den Zeiten der Hansa in der Welt durch un-
sern Gildenstolz bekannt waren, könnten heute
in diesem Punkt bei unsern angelsächsischen
Vettern in die Schule gehen. Sie haben ent-
schieden auch den Sinn für Künstlerkamerad-
schaft und gutes Einvernehmen zwischen ihren
Artisten, Bildnern, Dichtern und Schauspielern
m den letzten Jahrzehnten mehr gepflegt als
wir. Hoffen wir, daß der Sport, der das Gefühl
für ehrliches Spiel besonders zu wecken ver-
magt auch bei uns erzieherisch wirken möge.

Mir fallen da ein paar Geschichtchen aus
früheren Zeiten ein, die lehren können, daß
Kollegialität unter Künstlern auch in Deutsch-
land einmal geherrscht hat: A d o 1 f M e n z e 1 be-
fand sich einmal in einer Gesellschaft, in der er
von mehreren Anwesenden über den grünen
rUee gelobt wurde. Das war ihm schon an sich
sehr unangenehm. Und es wirkte geradezu
speiübel auf ihn, als dies schließlich auf Kosten

seines Malerfreundes Meyerheim geschah.
„Gegen Ihr Genie gehalten ist Meyerheim
doch nur ein klexcnder Tiermaler, bei dessen
Schmierereien einem das Gruseln kommen
kann", meinte der Hausherr, um ihm zu schmei-
cheln. Das war dem alten Zwergen Menzel zu
viel. Er empfahl sich auf das schleunigste. Am
andern Morgen erhielt der Gastgeber eine Karte
von dem Künstler, auf der war eine Hand ge-
zeichnet, die eine fein ausgeführte Türklinke
zuzog. Und daneben stand: „P. p. c. pour tou-
jours Adolf Menzel, nur Türklinkenmaler".

Bei Wettbewerbungen und Preisausschreiben
pflegt das Gegenteil der Kollegialität in der
Kunst, der Künstlerneid und die Eifersucht, be-
sonders giftige Blüten zu treiben. Schinkel,
der große preußische Baumeister unter Fried-
rich Wilhelm dem Dritten, lehnte darum grund-
sätzlich später jede Beteiligung an solch einer
Veranstaltung ab. Er tat dies einmal in einem
Schreiben, das folgende Worte enthielt: „Ich
möchte nicht durch meine höhere Geltung
einen jüngern Künstler herausdrängen und
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