Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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AUSSTELLUNG VON WERKEN JAPANISCHER MALER

IN DER AKADEMIE DER KÜNSTE, BERLIN

Die Ausstellung von Werken lebender japa-
nischer Maler, die deutsche und japanische
Kunst-Institute in der Akademie der Künste
veranstaltet haben, ist wesentlich ansehnlicher
und umfangreicher als die kleine Schau, die
man im vorigen Herbst in der Berliner Sezession
sah, und was noch wichtiger ist, sie gibt einen
viel besseren Eindruck von dem Maß des euro-
päischen Einflusses auf die japanische Malerei
der Gegenwart: die Auswahl der Sezession hat
ihn allzu geringfügig erscheinen lassen. Daß die
Sezession nur Rollbilder brachte, während hier
das meiste, auch das traditionell japanische,
nach europäischer Art zwischen vier Rahmen-
leisten gefaßt erscheint, ist nicht so wichtig, wie
der Umstand, daß dort fast alles das fehlte, was
europäische Vorbilder erkennen läßt. Und da-
bei hat auch diese neue Ausstellung von vorn-
herein auf die Künstler verzichtet, die europä-
ische Kunstart ganz unverwandelt übernommen
haben. Im innersten Kern ist alles, was man
hier sieht, ostasiatischer Empfindungs- und Ge-
staltungswelt entwachsen, und wenn auch die
gelehrte und temperamentvolle Katalog-Einlei-
tung von Prof. Yashiro Yukio es nicht wahr sein
lassen will, das schönste und tiefstlebendige
sind doch auch hier die Werke, die diese öst-
liche Kunstwelt am reinsten widerspiegeln.
Wir stehen ja auch diesen Dingen bei weitem
nicht so fern und fremd gegenüber, wie er zu
glauben scheint, und angesichts der drei kunst-
wissenschaftlichen großen Gesamtdarstellungen
der Kunst des Ostens (von Monographien nicht
zu reden) die in den letzten Jahren erschienen
sind und ihren Weg ins Publikum schon ge-
funden haben, dürfen wir gegen seine Anschau-
ung protestieren, daß wir „diese alten Kunst-
werke heute noch mehr als Illustrationen zur
Ethnologie" betrachteten, denn als rein künst-
lerische Leistungen.

Das Interessanteste, das ist schon richtig,
sind freilich die anderen Werke, die europäisch-
beeinflußten. Und dieser Einfluß erschöpft sich
nicht in technischen Dingen, weder in Perspek-
tive und Anatomie, die modern-gesetzmäßig ge-
handhabt werden, noch in maltechnischen, in
denen übrigens auch die modernen Japaner
durchaus den Vorsprung vor den Europäern
halten, den ihnen die Kunstübung der Vorfahren
geschaffen hat, sondern er greift an den wesent-
lichsten Punkt künstlerischer Gestaltung: an das
Verhältnis zum Stoff, zur Natur. Die geringere

Selbstherrlichkeit im Aufbau einer Landschaft,
die größere Folgsamkeit dem Natureindruck
gegenüber, auch bei den Figurenbildern, ist das
entscheidende, und daraus stammt auch die
Verwandtschaft mit demSchaffen einzelner euro-
päischer Meister, wenn die Vorfrühlings-Tusch-
landschaft Tekihos an frühe Zeichnungen van
Goghs, die Uferlandschaften Ryoshus und Ka-
hös an Leistikow denken lassen, wenn sich bei
Gyokudös Bergtannen die Erinnerung an Haider
und bei Hyakusuis Abt in der Landschaft die
an Thoma meldet, und man immer wieder an
Gauguin denken muß. Wie sehr das freilich auf
Wechselwirkung beruht, zeigen Erinnerungen,
wie solche anläßlich Yosons Mondnacht an
van Goghs Brücke von Arles auftauchen oder
vor unendlich vielen Stilleben und Köpfen Er-
innerungen an Orlik und an das europäische
Kunstgewerbe des frühen 20. Jahrhunderts.

Ganz uneuropäisch ist freilich die Meister-
schaft der Malerei. Und sie ist am größten doch
in den am stärksten traditionellen Werken. Was
ist das für eine beneidenswerte Sicherheit des
Auges, der Hand und der Empfindung! Wie
malt hier der Seidengrund und das Brokatstück
zwischen Bild und Rahmen mit! Diese Aus-
stellung ist wirklich beglückender Genuß, jen-
seits aller Probleme........h. friedeiserger.

STILLEBEN VON DUFRESNE (SEITE 380)

Dufresne ist außerhalb Frankreichs wenig
bekannt. Nur ungern nämlich läßt er seine
Werke abbilden, wohl fühlend, wie viel sie in
Schwarz - weiß - Reproduktion einbüßen. Sein
Ausdrucksmittel ist die Farbe. In ihr, in heißen,
vorwiegend goldbraunen Tönen, die flammendes
Rot und märchenhaftes Himmmelblau durch-
zuckt, in einer Technik, die Pastos ist und doch
so leicht sein kann, daß große Gemälde hauch-
artig wirken, wie in ziehenden Wolken erschaute
Visionen, lebt sich sein seltsam gemischtes Tem-
perament aus. Phantasiebeschwingt wie nur je
ein Romantiker, schwelgt in abenteuerlustge-
borenen Urwäldern und wild aufgepeitschten
Löwenjagden, und ist dabei so wirklichkeits-
freudig, daß ihm das einfachste Früchtestilleben
die Üppigkeit eines Schlaraffenmahls annimmt,
und so gutmütiger Art, daß auch seine schreck-
lichsten Raubtiere zahm dreinschauen. Wie
schade, daß er nur wenigen zugänglich ist! Wie
sehr tut uns solch schwungvolle Lebensbe-
jahung not!......... dr. aurel ie gottlieb.
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