Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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Staatliche Porzellan-Manufaktur - Berlin

PORZELLAN-MANUFAKTUR—BERLIN

»KURLANDER SERVICE MIT FELDBLUMEN «

Altona; dazu vierzehn kleinere Kollektionen
im Rahmen spezieller Ausstellungen im deut-
schen Reich; und im Ausland: in Monza, zwei-
mal in Paris (Pariser Messe und Societe des
Artistes Decorateurs), in Zürich und in Rio de
Janeiro. Überall wurde das schöne Alte und
das lebendig Gegenwärtige herausgebracht und
so in geschickter Weise der ehrwürdige Ruhm
der Friderizianischen Manufaktur mit der Propa-
ganda für die neue Form verbunden. Wo es
anging, wurde auch für dekorativ endgültige
Aufstellung gesorgt. Hier stand Pechmann der
Geschmack seiner Gattin Alice v. Pechmann
zur Seite, die in Auswahl des Materials und
seiner neuzeitlichen Anordnung die überzeu-
gende Form stets zu finden wußte.

Unsere Abbildungen verdeutlichen diese un-
abweisliche Art moderner Propaganda. Die
„Porzellanstraße" in der Schau „Altes Berlin"
gab das vollkommenste Beispiel einer modernen
Anordnung von Altem und Neuem in gereihten
Vitrinen, Entwicklungsschaubild von zwei Jahr-
hunderten, von Wegelys Anfängen an. Es fol-
gen Einzeldarbietungen in Schaufenstern, in
der Gestalt schön gedeckter Tische, in Aus-
stellungsvitrinen und Schautischen; besonderer
Nachdruck liegt wieder auf der Ausstellung in
den vornehmen Räumen der Preußischen Ge-

sandtschaft in München. Hier können Sammler,
Museen, Geschäfte lernen, wie man nicht nur
das Einzelstück wundervoll zur Geltung bringt,
sondern auch mit der Gesamtheit des Schau-
bildes in erziehlicher Weise bildend wirken und
die Lust am schönen Material, am wertvollen
Exemplar steigern kann zur Freude an der
Kunst schlechthin, die letzten Endes Ausgangs-
punkt und Ziel allen wertvollen Besitzes und
Sinn einer so wohlfundierten und geleiteten
Institution ist wie der Berliner Staatlichen Por-
zellan-Manufaktur......... PAUL F. SCHMIDT.

STOFF-TRIEB UND FORM-TRIEB

Ein gutes Kunstwerk ist immer schlicht, das
heißt, das Was der Äußerung (Stoff bezie-
hungsweise Aufgabe) und das Wie des Vortrags
(Form beziehungsweise Stil) stehen in einem
ausgeglichnen Verhältnis innerhalb des Ganzen.
Kunst ist weder bloße Mitteilung von Inhalt
oder Gehalt, noch rein formales Können. Über-
züchtung des reinen Könnens führt zum Leer-
lauf, zum Manierismus. Überwertung des stoff-
lich Wesentlichen führt letzthin entweder zum
Kitsch oder zur Gestaltlosigkeit, zum Chaos.
Form und Stoff sind nicht Endzweck der Kunst,
sie sind lediglich Mittel und Erreger der schöp-
ferischen Äußerung und Wirkung. Ein Künstler
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