Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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W. VIKTOR HIGG1NS

»FESTTAG« (1884)

AMERIKANISCHE KUNST 1730 BIS 1930

AUSSTELLUNG IM MÜNCHNER KUNST VEREIN

Diese Ausstellung amerikanischer Kunst ist
auf Anregung des schwedischen Kron-
prinzen von amerikanischen Museumsdirektoren
aus dem Besitz der Galerien und der großen
Privatsammlungen der Vereinigten Staaten zu-
sammengestellt worden. Sie vereinigt beiläufig
zweihundert Bilder von hundert Malern, ist zu-
erst in Stockholm und Kopenhagen vorgeführt
worden und wird von München noch in einige
andere europäische Hauptstädte weiter gehen.

Ein Unternehmen, das die charakteristischen
und bedeutendsten künstlerischen Arbeiten aus
Vergangenheit und Gegenwart eines Landes
zusammenfaßt, vermittelt unter allen Umständen
dankenswerte Einsichten, zumal man in Eu-
ropa gerade von der künstlerischen Produktion
Amerikas im allgemeinen nur eine lückenhafte
und ungefähre Vorstellung hat. Diese Fest-
stellung wird auch durch die im Sinn der Qua-
lität und Eigenart nicht durchweg positiven Er-
gebnisse der Ausstellung nicht berührt. Es ist

nämlich nicht zu verkennen, daß neben einer
kleinen Reihe malerischer Individualitäten von
persönlicher Prägung eine überwiegende Mehr-
heit von richtungsmäßig gebundenen Mitläufern
und bescheidenen, allenfalls handwerklich vir-
tuosen Begabungen tätig war und ist.

Den Auftakt der Ausstellung bildet ein Damen-
porträt des Gustavus Hesselius, der um 1713
aus Schweden nach Amerika auswanderte und
dort eine große Reihe von Bildnissen in Technik
und Auffassung des spätholländischen Figuren-
bildes malte. Es schließen sich eine Anzahl von
Porträtisten wie John Copley, Gilbert Stuart,
Benjamin West und Ralph Earle an, die dem
Kreis der englischen Bildnismaler Reynolds,
Romney und Gainsborough nahestanden, deren
Werke Geist undTraditiondieserSchule spiegeln.
Die mannigfachen künstlerischen Strömungen
des europäischen 19. Jahrhunderts werden von
den aufeinanderfolgenden Generationen der
amerikanischen Malerei übernommen: die klassi-
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