Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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OTTO SCHUBERT—DRESDEN GEMÄLDE »IM GARTEN«

ZU DEN GEMÄLDEN VON OTTO SCHUBERT

Der Dresdener Otto Schubert kommt von
der dekorativen Malerei her. Er hat sich
viel mit Graphik und Illustration befaßt. Die
Mareesgesellschaft hat einen „Reinecke Fuchs"
mit seinen Bildern herausgebracht. In den letz-
ten Jahren hat er sich dem Staffeleibild mit be-
sonderer Liebe zugewandt. Seine Kunst zeigt
da eine einfache, klare, menschliche Gestalt.
Eine Zeitlang sucht er Anschluß an Van Gogh,
wie das Gemälde „Mutter und Kind" ausweist:
südliches, brennendes Leben der Farbe, kräf-
tige Materie, die in derbe Umrißlinien gefaßt
wird. Aber es ist ein ganz anderer Inhalt als
bei dem Vorbild: nicht das Starren und Glotzen
der magisch geladenen Van Gogh'schen Fetische,
sondern klare, vertraute Menschlichkeit, un-
durchfremdetes, idyllisches Leben. Zu anderer
Zeit kommen die handwerklichen Anregungen
anderswoher, wie bei dem zweiten Doppelbild-
nis der Mutter und des Kindes, die Bilderschei-
nung ist leichter, seelenvoller, transparenter.

Aber der Inhalt ist der gleiche: Rede vom klei-
nen, befriedeten Dasein, von positiven Lebens-
gefühlen, von Sonne und Liebe. Bemerkens-
wert ist, gerade bei Otto Schuberts Ausgangs-
punkt, das Hineinwachsen in eine echte und
volle malerische Anschauung. Man hat sehr
oft beobachten können, daß der Übergang
von der dekorativen Arbeit (Schubert fing als
Theatermaler an) zur Staffeleimalerei seine be-
sonderen Probleme stellt. In der Regel bleibt
da auch nach dem Übergang ein dekorativer,
ein „kunstgewerblicher" Zug bestehen; eine
gewisse Unfähigkeit, mit Auge und Gefühl wirk-
lich in die Raumtiefe und Bedeutungstiefe zu
gehen, in das Atmosphärische, Schwingende,
Flutende der malerischen Gegebenheiten. Otto
Schuberts Bilder sind davon frei. Er hat den
Übergang zu einem malerischen Weltbild wirk-
lich vollzogen. Es ist eine breite Freude an Farbe,
Luft und Licht da, eine sichere, warme Fühlung
zur Natur und ihrer Erscheinungsfülle. . . h. r.

XXXIV. Dezember 1S3U. 3
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