Lucka, Wilhelm [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

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ALLGEMEINE STADTGESCHICHTE
Die Stadt entstand nach 1250 als planmäßige
Gründung durch Brandrodung auf einer llme-
nauinsel nahe dem Leowenwold, dem heuti-
gen Stadtwald. Mit dem Umzug in die neue
Stadt löste sich die Bürgerschaft der beim Klo-
ster Ullessen, heute Oldenstadt, entstande-
nen Marktsiedlung aus der wohl beengenden
Grundherrschaft des Bischofs von Verden.
Die Gründe für diesen Schritt sind nicht ein-
deutig zu klären. Die einzige Urkunde aus der
Zeit um 1250 gibt einen Hinweis auf Mei-
nungsverschiedenheiten zwischen den Bür-
gern und dem Abt des Klosters bezüglich der
Besteuerung. Neuer Grundherr wurde der im
Gebiet des Kreises reich begüterte Graf von
Schwerin, der Uelzen jedoch schon 1269 an
den Lüneburger Herzog Johann abtreten
mußte. 1270 verlieh dieser der „Stat to dem
Leowenwolde“ das Lüneburger Stadtrecht.
Später setzte sich dann der alte Name Uelzen
durch.
Die neue Siedlung entwickelte sich rasch zu
einer wohlhabenden Handelsstadt, die über
weitreichende Beziehungen im ganzen Wirt-
schaftsraum der Hanse verfügte.

Der große Privilegienbrief, den die sächsi-
schen Herzöge Wenzeslaus und Albrecht
1371 der Stadt erteilten, bestätigte die Stel-
lung Uelzens und förderte die weitere Entfal-
tung. Als Mitglied der Hanse wird Uelzen erst-
mals 1374 genannt. 1470 wurde ein Hansetag
in Uelzen abgehalten. Wesentlich war vor al-
lem die Ausfuhr von Erzeugnissen der Land-
und Forstwirtschaft der Umgebung. Im 16. Jh.
wurde der Handel mit englischen Tuchen über
den Stapel in Stade wichtige Erwerbsquelle
der Fernhändler. Im übrigen waren Handel
und Handwerk von Bedeutung für die Versor-
gung der Bevölkerung im ländlichen Raum
des Uelzener Beckens.
Die erste Blütezeit der Stadt verging gegen
Ende des 16. Jh. Die Ursachen liegen zum ei-
nen in der Verarmung der Stadt durch verhee-
rende Seuchen 1566, 1597 und 1599. Zum
anderen spielen der Niedergang der Hanse
und die allgemeine Schwächung der Städte
gegenüber der Landesherrschaft eine Rolle.
Verschiedene Brandschatzungen und Ein-
quartierungen während des Dreißigjährigen
Krieges und der große Stadtbrand von 1646

trugen zur weiteren Auszehrung der wirt-
schaftlichen Kraft Uelzens bei. In der Folge-
zeit stagnierte Uelzens Entwicklung; Versu-
che, das Wirtschaftsleben durch Ansiedlung
von Manufakturen zu beleben, scheiterten.
Nur eine vorübergehende Blüte erlangte in der
1. Hälfte des 19. Jh. der Handel mit dem um
Uelzen angebauten und in Hausarbeit ge-
sponnenen und gewebten Flachs.
Ein neuer Aufschwung setzte erst in der 2.
Hälfte des 19. Jh. ein, als mit dem Eisenbahn-
anschluß 1847 und dem weiteren Ausbau des
Streckennetzes 1873 und 1900 eine Erweite-
rung des Handelsprogrammes und Absatzge-
bietes der Uelzener Landproduktenhändler
möglich wurde. Fabriken zur Verarbeitung der
landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden ge-
gründet, wie 1860 die Uelzener Bierbrauerei
und 1883 die Zuckerfabrik. Mit dem wirtschaft-
lichen Aufschwung war ein starkes Wachstum
der Bevölkerung und eine Ausdehnung des
Stadtgebietes verbunden. Von 356 Wohnge-
bäuden und 3444 Einwohnern im Jahre 1848
vergrößerte sich die Stadt auf 1440 Wohnge-
bäude und 12 680 Einwohner im Jahre 1930.

Uelzen vor dem Brand von 1646, Vogelschau von Norden, Ausschnitt aus dem Merian-Stich


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