Lucka, Wilhelm [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

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GERDAU

Die erste Erwähnung des Ortes fällt in das
Jahr 1004, als Herzog Bernhard I, der Sohn
Hermann Billungs, die Kirche und die Curtis
(Herrensitz) in Gerdau mit 60 Hufen Land dem
Michaeliskloster in Lüneburg übertrug.
Ev. Kirche St. Michaelis
Den Mittelpunkt des alten Ortskerns nördlich
des gleichnamigen Flusses bildet die St. Mi-
chaeliskirche. Eine markante Feldsteinmauer
umgibt den Kirchhof mit seinen mächtigen al-
ten Linden und Kastanien und dem halbkreis-
förmigen Kriegerdenkmal.
Der älteste Teil der Kirche ist das rechteckige
Schiff, dessen Feldsteinmauern vermutlich im
13./14. Jh. aufgerichtet wurden. An seine
Westseite wurde um 1500 ein wuchtiger Back-
steinturm mit einem pyramidenförmigen Helm
gestellt. Als 1889 der baufällige mittelalter-
liche Chor abgerissen werden mußte, wurde
nach Plänen des hannoverschen Baumei-
sters C.W. Hase ein Querschiff und ein poly-
gonaler Chor in Ziegelbauweise dem alten

Schiff angegliedert, dieses wurde dabei durch
eine Ziegelverblendung neugotisch über-
formt. Aus dieser Zeit stammt auch die Aus-
stattung der Kirche. Südlich der Kirche steht
die frühere Schule, ein winkelförmiger Fach-
werkbau (Groß Süstedter Straße 1,1817).
Hauptstraße, In der Worth
Der größte Teil des Haufendorfes, das sich
sein dörfliches Erscheinungsbild weitgehend
bewahrt hat, liegt östlich der Kirche und wird
durch den ringförmigen Straßenzug Haupt-
straße - In der Worth umgeben. Entlang der
Hauptstraße überwiegen traufständige, mas-
sive Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Einen
bemerkenswerten guten Erhaltungszustand
weist Hauptstraße Nr. 10 auf (1911), ein statt-
liches Wohnhaus mit massiven Erdgeschoß-
wänden, Obergeschoß in Zierfachwerk und
einem Krüppelwalmdach aus glasierten Pfan-
nen. Das schlichte Wohnwirtschaftsgebäude
des Hofes Nr. 4 (1876), gleichzeitig Gasthaus,
wurde 1903 durch einen breiten stuckorna-
mentierten Mittelrisalit aufgewertet.

Der einstige Haupthof Hermann Billungs wur-
de nach der Übertragung an das Kloster zum
Meierhof. Bereits 1384 wurde der Kloster-
meier aus der Hörigkeit entlassen. Der große
Hof liegt abseits der Hauptstraße an der Nie-
derung. Sein weiter rechteckiger Hofplatz wird
durch Wirtschaftgebäude in Fachwerk aus
dem 19. Jh. und durch das repräsentative
Wohnhaus an seiner Westseite eingerahmt.
Der zweigeschossige Fachwerkbau entstand
durch den um 1910 erfolgten Umbau eines äl-
teren Wohnwirtschaftsgebäudes (In der
Worth 1).
Die Hauptstraße verbindet den dörflichen
Kern mit einer Ortserweiterung an der südlich
des Flusses entlangführenden B 71. Außer
der Schule und der Brennerei stehen hiervor
allem massive Wohnhäuser aus dem Anfang
des 20. Jh. Etwas weiter westlich ein alter Au-
ßenschafstall.
Klintmühle
Von der B 71 her werden vor einer Waldkulis-
se die Fachwerkgebäude der westlich des Or-
tes am Häsebach gelegenen Klintmühle sicht-
bar, eines früheren Erbenzinsgutes des St.


Gerdau, Nr. 4,1876/1903


Gerdau, In der Worth 1, um 1910


Gerdau, Groß Stüstedter Weg 1,
ehern. Schule, 1817


Gerdau, Klintmühle von Osten


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