Lucka, Wilhelm [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

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DER STADTTEIL VOR DEM
VEERSSERTOR
Der Stadtteil Vor dem Veerßer Tor erstreckt
sich südwestlich der Innenstadt von der Süd-
seite der Bahnhofstraße über die Veerßer
Straße zur Ilmenau hin. Im Süden bildet ein
kleiner Wasserlauf die Grenze zur Gemar-
kung Veerßen.
Wie der Merianstich und Karten des 18. Jh.
zeigen, befand sich zwischen der Luisenstra-
ße und der Veerßer Straße das größte zusam-
menhängende Gartengebiet der Uelzener
Bürger. Die erschließenden Gartenwege Diet-
richstwiete, Am hölzernen Schlüssel und Gar-
tenstraße wurden später ausgebaut und in
das Straßennetz der Stadterweiterung einbe-
zogen.
Vor dem Veerßer Tor ließ der Rat der Stadt
1692 ein neues Schützenhaus erbauen.
Schon der Merianstich läßt einen großen
freien Platz vordem Veerßer Tor zwischen der
Veerßer Straße und der Ilmenau erkennen.
Hier wurde der Uelzener Viehmarkt abgehal-
ten, für den an der Stelle des heutigen Kreis-
hauses im 19. Jh. eine große Viehmarkthalle
gebaut wurde. Gegenüber dem Viehmarkt

breitete sich auf dem Eckgrundstück zur Diet-
richstraße der Gebäudekomplex des Gast-
hauses Drei Linden aus. 1856 wurden der
Betrieb der Gasbeleuchtungsanstalt an der
Ringstraße und der Bültemannschen Eisen-
gießerei an der Bahnhofstraße aufgenom-
men.
DIE WOHNBEBAUUNG
Die erste Wohnbebauung entstand seit Mitte
des 19. Jh. entlang der Gartenstraße. Erhalten
ist eine Reihe kleiner, überwiegend traufstän-
diger, eingeschossiger Häuser an ihrer West-
seite. 1883 wurde auch das Gebiet zwischen
dem Gartengelände und dem Güterbahnhof,
die „Sauren Wiesen“ verkoppelt und in große
Baublöcke aufgeteilt, die zunächst jedoch
nicht bebaut wurden.
Die Gärten an der Westseite der Ringstraße,
die im 19. Jh. bezeichnenderweise noch „Hin-
ter der Stadt“ als Straßennamen führte, er-
schienen ab 1890 als reizvoller Baugrund für
Villenbebauung. Den Anfang machte 1892
der Besitzer der Eisengießerei Bültemann mit
einem 1 1/2-geschossigen neugotischen Zie-
gelbau mit Mittelrisalit und Ziegelgliederungen

Ringstraße 1,1902, Architekt E. Warnecke



Ringstraße 7,1892, Architekt Fricke,
Ringstraße 9,1901

Bahnhofstraße 14, Postamt, 1896, Architekt Schaeffer


(Ringstraße 7, Architekt Fricke). Auch in sei-
nen Details wie z.B. der Ziersubstruktion des
Dachüberstandes über dem Risalit ist das Ge-
bäude gut erhalten. Zur Straße ist der Garten
durch einen schmiedeeisernen Zaun, zum
Gartenweg durch eine gegliederte Backstein-
mauer eingefriedigt. Wohl etwas später folgte
das „Haus Sandhagen“ (Taubenstraße 1).
Der Ziegelbau ist entsprechend seiner Eck-
lage sowohl zur Ringstraße als auch zur Tau-
benstraße durch Risalit bzw. Zwerchhaus
sowie durch ein Erkertürmchen über der Ge-
bäudeecke betont. Für die Fenstereinfassun-
gen wurde Sandstein verwendet. Ringstraße
9,1901 als Villa des Uelzener Maurermeisters
Behne gebaut, ist ein zweigeschossiger Zie-
gelbau mit einem Drempelgeschoß und Bal-
konerker in Fachwerk. Das Treppenhaus ist
als kräftiger Turm vor die Nordseite gestellt.
Durch ihre Reihung in der Krümmung der
Ringstraße verbinden sich die drei Gebäude
für den von Norden her kommenden Betrach-
ter zu einer malerischen Gruppe. Ringstraße
1, ein zweigeschossiges Wohnhaus in Ziegel-
bauweise; zeigt eine aufwendig mit barocki-
sierenden Sandsteinteilen gestaltete Straßen-

Taubenstraße 1, um 1895


Alewinstraße 1,1896


Dietrichstraße 13, um 1905


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