Lucka, Wilhelm [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

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EBSTORF

Der östlich der Schwienau gelegene Flecken
Ebstorf erhielt seine Bedeutung durch das
Kloster, das Volrad von Bodwede, der erste
Graf von Dannenberg, um 1150 in der Nähe
des alten Dorfes Ebbekestorpe stiftete. Das
Kloster, ursprünglich wohl ein Augustiner-
Chorherrenstift, wurde nach einem Brand wie-
der aufgebaut und mit Benediktinerinnen be-
setzt. Als solches wird es zuerst 1197
erwähnt. 1259 erwarb das Kloster die Ge-
richtsbarkeit im Go Ebbekestorpe. Weitere
Rechte und großen Grundbesitz gewann es in
den folgenden zwei Jahrhunderten hinzu. Das
dem heiligen Mauritius geweihte Kloster war
außerordentlich wohlhabend und zudem ein
berühmter Wallfahrtsort. 1528 wurde der rei-
che Grundbesitz im Zuge der Reformation in
die Hände der Landesherrschaft überführt
und daraus das Amt Ebstorf gebildet. Das Klo-
ster wurde 1554 in ein adliges Damenstift um-
gewandelt.
1859 ging das Amt Ebstorf im Amte Medingen
auf. Die Einrichtung einer Landbauschule und
der Oberförsterei konnten den Bedeutungs-

verlust durch die Auflösung des Amtes Ebstorf
und die Ablösung der Superintendentur Be-
vensen vom Bezirk Ebstorf jedoch mindern.
Der Ausbau der über Uelzen führenden Märki-
schen Heerstraße und der Eisenbahn Ham-
burg-Hannover ließ die vormals bedeutende
über Ebstorf führende Straße von Lüneburg
nach Celle veröden. Der 1873 erfolgte An-
schluß an die Eisenbahn Bremen-Uelzen er-
möglichte dann jedoch das weitere Wachstum
der örtlichen Wirtschaft. Unter anderem wur-
den einige Fabriken gegründet. Große Bedeu-
tung erlangten die 1910 und 1917 gegründe-
ten Saatzuchtbetriebe, die später als Verei-
nigte Saatzuchten Ebstorf weit über die Gren-
zen Niedersachsens hinaus bekannt wurden.
Nach 1945 entwickelte sich der Flecken we-
gen seiner Dienstleistungen, Gewerbebetrie-
be und Fachschulen zu einem wichtigen Ort
für die landwirtschaftlich geprägte Umgebung.
Seit 1972 ist Ebstorf Mittelpunkt der Samtge-
meinde, die im wesentlichen den Bereich des
alten Amtes umfaßt.

KLOSTER EBSTORF
Ev. Klosterkirche
Das Kloster Ebstorf liegt etwas abgesondert
vom Flecken am östlichen Rand der Schwien-
auniederung. Der Zugang zum Kloster erfolgt
von der Lüneburger Straße über den Kirch-
platz, an dessen Nordseite sich die alte Klo-
sterkirche erhebt. Die in der 2. Hälfte des 14.
Jh. errichtete Backsteinhallenkirche ist geglie-
dert in den Ostchor, das großenteils zweige-
schossig ausgebildete Hauptschiff in seiner
Verlängerung und ein niedrigeres Seitenschiff
an dessen Südseite. Ein mächtiges, steil ge-
neigtes Dach wird zum Kirchplatz hin vom
Hauptschiff über das Seitenschiff hinabgezo-
gen. An den Westgiebel des Seitenschiffes
wurde nachträglich (wohl im 15. Jh.) der ge-
drungene quadratische Glockenturm ange-
baut.
Der Ostchor hat zwei Joche und einen 7/10-
Schluß. Seinen Raumeindruck bestimmen die
hoch aufragenden Kreuzrippengewölbe, die
breiten, farbig verglasten Spitzbogenfenster
sowie eine nachträglich eingebaute, unterhalb
der Fenster den Chor umlaufende Empore.

Ebstorf, Kloster, ehern. Herrenhaus, 1486


Ebstorf, Kloster, Kirchhof


Ebstorf, Kloster, westlicher Schlafhausflügel


Ebstorf, Kloster Ebstorf, Luftaufnahme von Südwesten
Aufnahme freigegeben v. LA Hamburg Nr. 0/35251, Kreisbildstelle Landkreis Uelzen


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