Lucka, Wilhelm [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

Page: 11
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd27/0013
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DER LANDKREIS UELZEN

Landschaftliche Gliederung
Der Landkreis Uelzen liegt im Nordosten des Landes Niedersachsen. Seine Landschaft
ist ein Teil des ausgedehnten Moränengebietes der Lüneburger Heide. Vor allem eis-
zeitliche Abtragungs- und Ablagerungsvorgänge haben seine fein differenzierte land-
schaftliche Gliederung geschaffen, die die natürliche Grundlage bildet für die Besied-
lung, wie auch für die Entwicklung der politischen Gliederung, der Wirtschaft und des
Verkehrswesens.
Die gerundete Fläche des Landkreises wird eingefaßt durch einen Kranz von bewalde-
ten Endmoränen, an deren Verlauf die Grenzlinien zu den benachbarten Kreisen orien-
tiert sind. Im Süden teilen die Höhen des Lüß das Uelzener Becken (ca. 45-60 m ü. NN)
von den Randbereichen des Aller-Urstromtales in den Kreisen Celle und Gifhorn. Die
Wierener Berge (130 m ü. NN) und die Blauen Berge bei Suderburg sind seinem Plateau
bastionsartig vorgelagert. Unterbrochen vom Tal der Gerdau schließen sich im Westen
die Waldgebiete der Munsterheide an, die im Norden in den Süsing übergeht. Die sandi-
gen Endmoränenböden wurden vor allem in der Gemeinde Wriedel und der Samtge-
meinde Suderburg ursprünglich von Zwergstrauchheide bedeckt, weshalb die Land-
schaft auch als Heidmark bezeichnet wurde. Die Heide wurde seit Ende des 19. Jh.
jedoch mehr und mehr durch Kiefernaufforstungen verdrängt, bis auf eine kleinere Rest-
fläche bei Ellerndorf.
Zwischen den Hängen des Süsing und der Hügellandschaft der Altenmedinger Grund-
moräne öffnet sich das Tal der Ilmenau zu einem breiten Ausläufer der Lüneburger
Bucht. An der östlichen Kreisgrenze zieht sich die Osthannoversche Kiesmoräne, Dra-
wehn genannt, bis hinunter nach Bodenteich. Hier bildet eine weite Niederung mit ver-
landeten Flachseen und Brüchen den Übergang zum Tal der Ise im Kreis Gifhorn.
In Ost-West-Richtung verläuft der von der Ilmenau durchschnittene Ebstorf-Oetzendor-
fer Höhenzug, der das Uelzener Becken von der Lüneburger Bucht trennt. Bedeutsam
sind hier vor allem die Vorkommen an fruchtbaren Flottsandböden im Gebiet zwischen
Ebstorf und Bevensen, das wegen der klebrigen Beschaffenheit des Bodens auch „Klei“
genannt wird. Das Uelzener Becken selbst ist in sich vielfältig gegliedert durch die Täler
der von Süden her kommenden Aue, des Quellflusses der Ilmenau, und deren zahlrei-
chen Nebenflüssen und Bächen. In der Mitte des Landkreises, im Bereich der Stadt Uel-
zen, münden von Westen her die Gerdau und von Osten her die Wipperau in die Ilme-
nau, die damit zum Hauptfluß der Kreise Uelzen und Lüneburg wird. Auch im Uelzener
Becken bilden gut nutzbare Ackerböden die Grundlage einer hoch entwickelten Land-
wirtschaft, welche das Bild der Landschaft nachhaltig geprägt und die natürliche Vegeta-
tion weitestgehend verdrängt hat. Aus der leicht hügeligen Landschaft heben sich ein-
zelne größere Buchenwälder heraus.
Geschichtliche Entwicklung und politische Gliederung
Die günstigen landschaftlichen Bedingungen ließen das Land entlang der Ilmenau
schon früh zu einem bevorzugten Siedlungsgebiet werden. Zahlreiche Großsteingräber,
im 19. Jh. großenteils zerstört, belegten ursprünglich die bis in die Steinzeit zurückrei-
chende Siedlungsgeschichte. Herausragende Bodenfunde führten zu einer Unterglie-
derung der nichtkeltischen Eisenzeit, deren erste vier Stufen nach Dörfern aus der Um-
gebung Uelzens benannt wurden. So spricht man von den Stufen von Wessenstedt
(750-600 v.Chr.), Jastorf (600-300 v.Chr.), Ripdorf (300-150 v.Chr.) und Seedorf
(150—Christi Geburt).
Das Gebiet des Landkreises gehörte zum Kernland des Stammes der Langobarden, die
im 5. Jh. ihr Siedlungsgebiet verließen und nach Oberitalien zogen. In das frei geworde-
ne Land rückten zunächst von Westen her Sachsen, ab ca. 800 von Osten her slawische
Stämme nach. Mit der Eingliederung in das Fränkische Reich wurde der Bardengau, wie
er verschiedentlich in frühmittelalterlichen Urkunden genannt wird, zeitweilig zur Grenz-
mark. Nach einem vorübergehendem Vordringen slawischer Siedler bis etwa zur Ilme-
nau und Ise wurde die Ostgrenze, zunächst durch den 919 zum Deutschen König gewähl-
ten Sachsenherzog Heinrich I., ab 936 durch den vom König als Markgrafen eingesetz-
ten Hermann Billung wieder nach Osten verschoben. 961 verlieh Kaiser Otto Hermann
Billung das Herzogtum im nordöstlichen Sachsen. Im Uelzener Raum hatten die Bil-
lunger umfangreichen Grundbesitz. Befestigte Wohnsitze waren Wichmannsburg,

11
loading ...