Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 9.1934

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Das Denkmal für die Gefallenen in Würzburg.

Bildhauer Fried Heuler, Würzburg.

Das Würzburger Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges

Auf der Würzburger Tagung des Deutschen Werkbundes
konnten die anwesenden Mitglieder diese ausgezeichnete Ar-
beit des dort ansässigen Bildhauers Fried Heuler kennenlernen.
Das AAal hat uns alle tiefinnerst ergriffen, vor allem die, die
selbst draußen gestanden haben. Das große und ergreifende
Erlebnis der Beerdigung eines toten Kameraden wird wieder
wach. Der letzte Kameradschaftsdienst, den man dem Ge-
fallenen erweisen konnte, ist hier in einer geradezu klassischen
Größe der bildnerischen Gestaltung festgehalten. Das alte Lied
„Ich hatt' einen Kameraden" ist im Stein Gestalt geworden.
Es mag manches noch so künstlerisch gute Gefallenendenkmal
geben, vor diesem muß es zurücktreten, weil hier die Idee so

stark und eindringlich ist, daß man sich fragen muß, ob hier
nicht die alleinig stärkste Form für diesen Gegenstand gefunden
ist. Alles individuelle Gefühl fehlt hier, die Kameradschaft hat
eine würdige Darstellung gefunden. Hier bricht nicht eine
einzelne Gestalt in Trauer zusammen, hier wird die letzte
schwere Pflicht getan. Heuler versicherte uns, daß er zu dieser
Idee aus dem eigenen Fronterlebnis gekommen ist. Man kann
hier noch die geschickte plastisch-formale Lösung bewundern,
wie die Stufe genutzt ist, so daß der Tote natürlich in der
Waagerechten liegen bleibt, man kann die strenge Haltung der
Formen loben, das alles aber tritt zurück und ist sogar eins
geworden mit der Stärke und Tiefe der Idee. W. L.

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