Heidelberger Volksblatt — 7.1874

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Sie die Güte, mich davon zu benachrichtigen - hier
meine Karte!"
Jch rieb mir die Stirn - ſah die Karte an -
ſie enthielt nur die Worte: "A. U. F. Schneider,
Literat aus Münchhauſen."
Verdammter Federfuchſer!!

Mannichfaltiges.

lVerurtheilte Thierel gehören in der Rechts-
geſchichte früherer Jahrhunderte nicht eben zu den Sel-
tenheiten. So wurde in Flandern durch ein gerichtli-
ches Erkenntniß vom 12. September 1486 ein Schwein,
das ein Kind gebiſſen und zum Theil aufgefreſſen hatte,
verurtheilt, vom Scharfrichter an einen Pfahl gehängt, um
getödtet zu werden. Ueber die Hinrichtung wurde ein amt-
liches Protokoll aufgenommen. Ein ähnlicher Prozeß
wurde am 15. Mai 1595 in Leyden gegen einen Hund
geführt und dahin entſchieden, daß der Hund vom
Scharfrichter zwiſchen Himmel und Erden anfgehängt
werden, auch ſein Leib am Galgen hängen bleiben
ſolle. "Den andern Hunden zum warnenden Exempel."
Ebenſo ſollten alle ſeine Güter verfallen ſein, falls er
ſolche beſäße. Jn Frankreich wurden im 15. Jahrhun-
dert Raupen, die ſehr viel Schaden anrichteten, bei
Strafe des Bannes zum Abzug aufgefordert und da ſie
nicht gehen wollten, auch wirkiich in den Bann belegt.
Als ſie bald dargegen den Winter darauf hinſtarben,
hatte natürlich die Kraft des Bannes dies bewirkt.

einen Ruheplatz unter ſeinem ſchützenden Dache bot,
denn ein längeres Verharren würde die von Minute
zu Minute ſteigende Kälte verboten haben: wir ſchüt-
telten den Schnee von unſern Kleidern und ſtärkten
uns durch einen erwärmenden Schluck Branntwein.
- Jn dieſem Augenblicke aber ſtieß der eine Führer,
welcher an den Eingang dieſer kleinen, natürlichen Fel-
ſenhöhle getreten war, einen Schreckensruf aus. Be-
ſtürzt eilten wir nach vorne und bemerkten, wie die
mächtige Schneelaſt, welche auf der ziemlich abſchüſſi-
gen Deckplatte ſich aufgehäuft hatte, anfing herabzu-
gleiten. Wenn wir blieben, wurden wir verſchüttet -
gingen wir auch nur wenige Schritte weiter, ehe der
Mond den Wolkenſchleier durchbrochen, ſo ſtürzten wir
unfehlbar in eine der durch die weiſe Decke trügeriſch
verhüllten Klüfte. - Hier das bleiche, grinſende Ge-
ſpenſt des langſamen Hungertodes - dort vielleicht
ein jäher Sturz - dann Alles vorüber! - - Jch
war entſchloſſen, das Aeußerſte zu wagen und erklärte
entſchieden die verrätheriſche Felſenhöhle verlaſſen zu
wollen, während mein Begleiter ſchon in jene dumpfe
Apathie der höchſten Verzweiflung verſunken, weder
durch Bitten noch durch Gewalt zum Weitergehen zu
vermögen war. Der Führer, welcher zuerſt jene gräß-
liche Entdeckung gemacht, hatte unſere Entſchlüſſe nicht
abgewartet, ſondern war, ſchuftig genug, davon geeilt,
in Sturm ung Wetter, dem gewiſſen Tode zu entge-
hen, um dem gewiſſeren in die Arme zu ſtürzen. Der
zweite hatte ſich in feiger Furcht auf den Boden ge-
worfen und tiefe Seufzer waren das einzige Lebenszei-
chen, das er von ſich gab. So ſah ich mich von Al-
len verlaſſen, - das Herz zitterte mir in der Bruſt
- mein Haar ſträubte ſich empor und ein kalter
Schweiß drang aus allen Poren! - Schon ſtürzten
mächtige Ballen Schnee herab von der Felsdecke und
häuften ſich - uns vom Leben abſchließend - gegeu
dieſelbe empor: in der Angſt des Todes, ohne mehr
recht zu wiſſen, was ich that, ergriff ich die Laterne
- brach mir mit der letzten Anſtrengung meiner Kräfte
Bahn durch die ſtürzende Schneemaſſe - das Licht der
Laterne erloſch - tiefe, gräßliche Grabesdunkelheit um-
giebt mich - ich wanke einen Schritt vorwärts - da
fühle ich, wie der Boden unter meinen Füßen weicht
- vergebens ſuchen meine erſtarrten Hände einen ret-
tenden Halt -."
Der Mann machte eine Pauſe, mit ſeinen großen
Augeu geſpenſterhaft vor ſich hinſtarrend; ich ſelbſt aber
hatte in der Aufregung ſeinen Arm gepackt, ich hing
an ſeinen Lippen und konnte bei ſeinem Jnnehalten
kaum die Worte herausſtoßen: "Weiter, weiter! -
Wie wurden Sie gerettet!!?"
"Ja, da liegt eben der Haſe im Pfeffer! Das letzte
Kapitel fehlt mir noch - ich habe ſelbſt noch keine
Jdee, wie ich mich aus dieſer Klemme ziehen werde."
"Station Z.!"rief der Kondukteur, den Wagen öffnend.
- "Wo iſt der Herr nach Z.?"
"Ah, das bin ich!" rief der Mann, ſeine Sachen
haſtig zuſammenraffend. "Leben Sie wohl! Vielleicht
fällt Jhnen ein paſſender Ausgang ein; dann haben

lEine kurze Predigt.1 Ein Hofprediger des
17. Jahrhunderts war erſucht worden, ſeine Predigt
recht kurz zu machen, weil nachher Feſtmahl ſei. Dies
verletzte ſeine Eitelkeit und als er die Kanzel betrat,
erzählte er, was man ihm angeſonnen und fuhr fort:
"Gehet hin, ihr Verfluchten, das iſt ja kurz genug!
Wollt ihr aber lange Bratwürſte haben, ſo nehmet ſie
mit in das ewige Feuer, da habt ihr Zeit genug, ſie
zu braten."

Bedingt.1 Frau: "Du ſiehſt gar nicht ein,
was Du an mir haſt, Du ſollteſt, ſtatt mir Vorwürfe
zu machen, mich im Gegentheil bis in den Himmel hin-
auf heben!" - Mann: "Das geſchähe auch, wenn ich
gewiß wüßte, daß Du nicht mehr herunter kämſt!"

Jm Dienſteifer.] Wachtmeiſter (zu einem
Soldaten, der die Feldmütze verdreht auf dem Kopfe
hat): "Der Sakraments-Kappenmacher hat Jhnen die
Kokarde nicht in die Mitte geſetzt. Das müſſen Sie
gleich abändern laſſen!"
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