Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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AUS HANS THOMA'S ERINNERUNGEN*) Sj

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gleichsam auffallend die Schuhe putzt, um volle Gelegenheit habe, mir alles hierzu Nötige ^
nicht jemandem überraschend ins Haus zu durch eifriges Lernen anzueignen. M

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„. . . . Durch diese umständliche Einleitung In Schirmers Atelier sah ich seine Bilder;

will ich besagen, daß ich trotz alledem, was es war mein höchster Wunsch, auch einmal

ich nun erzählen will, ein höflich beschei- Derartiges hervorbringen zu können — ich

dener Mensch bin, der sich räuspert, der hatte das freudige Gefühl, daß ich nun hier

fallen — aber endlich muß so ein höflicher Wenn man so vom Dorfe kommt, so ist

Mensch doch hinein, sonst möchte der, den einem die Stadt mit ihrer Regsamkeit ein Ding, >;

er besucht, ungeduldig werden. das man über die Maßen anstaunt, man scheint W

Es ist bekannt, daß schüchterne Menschen unterzugehen und doch fühlt man sich auch (4

oft gerade in das Gegenteil umschlagen — getragen. — Nun durfte ich ja mich öffent- y)

sozusagen frech werden — denn das Häfele, in lieh als Maler bekennen, durfte meine ganze

dem die verschiedenen Eigenschaften des Men- Zeit auf die mir so liebe Tätigkeit verwen-

schen beisammen wohnen, ist gar klein. den. Gern und willig folgte ich der nun be-

Nun, wir wollen sehen, wie es kommt und ginnenden Erziehung zur Kunst,

in welcher Art man mich hinauskomplimentiert. Schirmer hatte sich mit viel Wärme über ft

* * die von mir eingereichten Arbeiten ausge- Ü

Kaum wird wohl jemals ein junger Mensch sProchen u"d „entschieden" dazu geraten, daß g

ich Künstler werde. Ich wurde in die Antiken-

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eingetreten sein, als ich im Oktober 1859 in klasse aufgenommen, in der m.ch Professor «
die Kunstschule in Karlsruhe. Des Coudres zu großer Genauigkeit und Gründ- g

_ lichkeit anleitete. Diese Gründlichkeit ward K)

.. , , ■ . j mir doch später von großem Nutzen; ich zeich- N|

*) ^ ir entnehmen diese kurzen Auszuge mit Genehmigung der " & )

Verleger dem im Verlag der „Süddeuts, hen Monatshefte" in Mün- nete den Winter Über, nahm auch am Per- (i

chen erschienenen prächtigen Buche: Im Herbste des Lebens. Ge- ... . . . . ■« p » • . k\

sammelte Erinnerungsblätter von Hans Thoma. SpektlVUntemCht teil, auf deren Gesetze ich, /)

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HANS THOMA KINDER IM FREIEN

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