Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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VON AUSSTELLUNGEN

den noch lebenden ^M^HHHj^^H^H

Bildhauern Ameri- Das zei8en namentlich
._. . seine meist farbigen
kas, übertrifft ihn flE^^^^V Radierungen Ecce hö-
bet weitem durch ^sfi mo, Tantalus, Vision

sein starkes Gefühl ^B des Johannes, Es fiel

für die menschliche f.in ReifJn dHer Früh"

_ . _ lingsnacht und nament-

Form, baint-Gau- JM lieh die Blattfolge »Der
dens bleibt der ^HD BS| - Tod und das .Mädchen«.
Ruhm, die ameri- Eine starke Innerlich-
kanische Skulptur HF ^ i» ■ keit und eine nicht
. ., ..... minder starke Gestal-
auf ihre erste Hohe JM tungskraft kennzeich-
geführt zu haben : nen diese Schöpfungen
von ihm ab darf echter Phantasie, die
sich die amerikani- A^B uns als unmittelbarer
r., , ^ ' I Ausdruck innerer An-
sehe Skulptur ernst- RltjY ^ schauungen mächtig
haft mit der euro- \\ VV ergreifen. Idyllische
päischen messen. Bilm lWi Zartheit und kraftvolle

, \ H Herbheit stehen dem

' \ H Künstler gleichmäßig

\ zu Gebote, und der

■ I Schauer Maeterlinck-

VON AUSSTEL- fl scher Stimmungen er-

LUNGEN V ^ 1§I scheint hier zu Ge-
stalten und Farben

TARESDEN. Das Dres- *' 9 zusammengeballt.

dener Kunstleben |g| ,gi Brömse ist dabei auch

hat in den letzten Wo- j^^^M e'n vorzüglicher Zeich-

chen und Monaten H Hs«« /k*0(- ner, beherrscht über-

durch zahlreiche und -^S haupt das Technische

mannigfache Ausstel- ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ in bemerkenswerter

luneen vielfache An- ___Weise. Neben ihm hat

regung geboten. Im J.a.houdon Voltaire in der Galerie Arnold
Sächsischen Kunstver- wieder die Pragerin
ein sahen wir eine Katharina Schäff-
umfängliche Ausstellung von Gemälden und Litho- ner ausgestellt, die Ferdinand Avenarius durch
graphien Hans Thomas, weiterhin die Ergebnisse seine Mappe »Eine neue Sprache< in die Oeffent-
des schon erwähnten staatlichen Wettbewerbs für lichkeit eingeführt hat. Sie erweist von neuem
Klein- und Kabinettsplastik und jüngstens eine ihre Kraft, Empfindungen durch Linien, Farbstim-
größere Anzahl französischer Gemälde und Bild- mungen und seltsame Gestalten auszudrücken;
werke, die freilich neben manchem Guten — von nicht minder trefflich sind ihre Tierkarikaturen
Raffaelli, Gaston La Touche, Cottet, Sidaner, Rodin, und ihre bedruckten und gestickten Kissen, Dek-
Fremiet und Troubetzkoi — auch viel Mittelmäßiges ken, Bucheinbände, sowie Vasen und Schalen in
umfaßte. — In der Galerie Ernst Arnold sahen wir Ton, auf denen die phantasievolle Linienornamen-
die neuesten Werke von Max Liebermann: Ge- tik der Künstlerin vorzüglich wirksam zur Geltung
mälde, Zeichnungen, Radierungen und Lithogra- kommt,
phien, die gegenwärtig in der Breslauer Filiale der

Galerie Ernst Arnold gezeigt werden. Den Mittel- jpvÜSSELDORF. Die 3. Jahresausstellung der

punkt bilden die Werke »Wettrennen« und »Strand Künstler-Vereinigung »N i ederrh ei n« zeigt ein

vonKatwyk«; viel Beachtung findet auch das Bildnis erfreuliches Bild des Fortschreitensund eines kühnen,

des Fürsten Lichnowsky neben mehreren älteren vorurteilslosen Wollens. Es ist Secessionskunst, die

Werken Liebermanns aus Breslauer Privatbesitz: wir in den mehr als hundert Arbeiten dieser höchst

»Wald« (1889) und »Tennisspiel« (1896). Weiter bemerkenswerten Gruppe von vierzehn, meist noch

stellte in der Galerie Arnold der junge Dresdner jüngeren Künstlern genießen. Secessionskunst im

Richard Dreher die Früchte eines längeren Auf- guten Sinne: ohne die sensationslüsternen Extrava-

enthaltes in Italien aus, den ihm der Villa Romana- ganzen, die nur auf eine Verblüffung des Publikums

Preis ermöglicht hatte. Die zahlreichen frischen, abzielen; andererseits aber auch völlig frei von dem

farbenfrohen Landschaften zeigen, wie stark der philiströsen Haften am Althergebrachten, von der

Süden auf Dreher gewirkt hat und wie die südliche ängstlichen Verehrung des »Normalen«. Dabei will

Landschaft gerade seinem Naturell liegt. Mit be- es für die Bewertung des Gesamtwerks nichts

merkenswertem Geschick bedient sich Dreher der bedeuten, daß eine Reihe noch nicht ausgeglichener

Farbenteilung; einzelnes erinnert an van Gogh, im Leistungen, die als bloße Experimente zu fassen

ganzen aber erweist sich Dreher als ein selbstän- sind, mit unterlaufen. Die Hauptsache ist, daß alles

diger Künstler, von dem noch Bedeutendes zu er- Banale fehlt, daß man überall das ernste Streben

warten steht. — Ein hervorragender Künstler ist nach neuen künstlerischen Zielen und nach einer

dagegen schon jetzt August Brömse aus Prag, persönlichen Ausdrucksweise spürt. Unter den Fi-

ein Phantasiekünstler in Max Klingers Art, aber von gurenmalern fallen Heinz May und C. Schmitz-

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