Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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VON AUSSTELLUNGEN

l. blauen steiner kinderbildnis

Glaspalast München 1909

Hausiererkastens geschickt auszunützen verstand, Frische und feiner Farbigkeit etwas, was man bei
heute setzt man das als selbstverständlich voraus. den anderen vermißt, wirkliche Liebe zu dem darge-
Man verlangt nicht nur Materie, sondern auch Geist stellten Gegenstand. Sehr überzeugend ist die Som-
oder zum mindesten Temperament. Warum man mersonne auf dem größten gegeben, das im Mittel-
in Deutschland mit dem Franzosen Gaston la grund eine Talsenkung mit einer kleinen Ortschaft,
Touche neuerdings so liebäugelt, ist mir unver- vorne Getreidegarben in Wolkenschatten zeigt. Keller
ständlich. Diese virtuose Dekorationskunst für Bou- & Reiner befinden sich vorm Umzug; so wird man
doirs, Klubsalons und Nachtcafes vermag uns doch an ihre Ausstellungen keine zu großen Anforderun-
keine wertvollen Anregungen zu geben. Diesmal gen stellen. Gegenwärtig zeigen sie duftige Blumen-
hat er außer dekorativen Werken, ein paar Szenen stücke im Sinne der alten Schule von der Pariserin
vom Maskenball und aus der Oper und einen nied- L. E. Perman und Aquarelle aus England, Mecklen-
lichen Durchblick in ein elegantes Badezimmer auch bürg, Frankreich und Teneriffa in breiter, weicher
ein paar Bildchen geschickt, auf denen er das von Technik von dem Edinburger James Paterson.
Gabriel Max und E. M. Geyger mit so vielem Erfolg Walther Gessel
bebaute Gebiet der Parodie auf den Darwinismus
behandelt. Die Szene, wo der Affe als Professor

der Aesthetik seinen Zuhörern die anmutigen Run- VON AUSSTELLUNGEN

düngen eines nackten Mädchens erklärt, hat zum

mindesten ein starkes stoffliches Interesse. Lieber CRANKFURT. Das große künstlerische Ereignis
sind mir die Bilder aus der Bretagne von seinem * dieses Spätsommers ist die thoma-Ausstellung
Landsmann Le Gout-Gerard, die aber leider in des Kunstvereins gewesen. Frankfurt hat schon
einem Korridor so aufgehängt sind, daß man sie manche Thoma-Ausstellung gehabt. Diese Ausstel-
schwer genießen kann. Das Erfreulichste in der lung wußte ein Neues zu bieten, indem sie den Ent-
diesmaligen Ausstellung sind für mich die Werke wicklungsgang des Künstlers zu klarer Anschauung
von W. L. Lehmann, eine Anzahl Landschaften aus brachte. Zum ersten Male erschien hier der ganz
dem Gebirge und der Hochebene und Motive aus frühe Thoma, der Schüler desalten BernauerZeichen-
Dörfern bei Sonnen- und Mondlicht und in Regen- lehrers, mit ein paar frischgesehenen, in der Raum-
stimmung. Sie sind weder sehr virtuos noch sehr Wirkung schon recht beachtenswerten Bildchen. Die
eigenartig, aber sie besitzen außer wohltuender Arbeiten der Karlsruher Lehrzeit knüpfen eigentlich

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