Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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DIE „JURYLOSEN"

!

land, Oesterreich, Holland und (l
England zusammengebracht. Eine y\
hervorragend praktische Bedeu- w
tung besitzt die Wanderausstel- y)
lung von Plakaten, kaufmänni-
schen Drucksachen, Etiketten, '()
Packungen und sonstigen Aufma-
chungen, welche das „Museum für (i
Kunst in Handel und Gewerbe" V\
veranstaltete, das vor Jahresfrist Gj
gemeinsam vom Museum Folk-
wang und dem Deutschen Werk- M
bund in Hagen gegründet wurde. /)
G. Howe W

DIE „JURYLOSEN"

PVer Ehrgeiz, München einen Sa- y\

Ion der Unabhängigen zu ge-
ben, läßt einige tatfreudige Propa- >;
gandisten nicht ruhen, und so M
folgt denn der mißglückten Aus- f).
Stellung im Kunstverein nun eine
zweite, viel umfangreichere, auf
dem geschickt zur Ausstellung
improvisierten Hopfenboden der
städtischen Schrannenhalle. Einige

sich zur Schar der Namenlosen

wolfgang merkel anatomie und Debütanten gesellt — ihre

Künstlerbundausstellung, Darmstadt Bilder, die anstandslos auch die

strengste Jury jeder deutschen
Ausstellung hätten passieren kön-

seiner Reiter am Strande vertreten. Der treffliche nen, muten in dieser Umgebung an wie erratische
F. H. Ehmcke hat eine kleine gewählte Auswahl Blöcke in einem zermürbten Kiesgeschiebe. Auch
moderner kunstgewerblicher Arbeiten aus Deutsch- einige Franzosen, furiose und süßlich-zahme, hat

man sich zu Gaste gebeten, aber
sie geben keine Ueberraschung,
sie machen keinen tieferen Ein-
druck . . . Ich bin, das gebe ich
unumwunden zu, ein Feind aller
»Jurylosen«, auch der dreimal ge-
priesenen Pariser, aus deren Mitte
zweifellos einige bedeutende Künst-
ler hervorgegangen sind. Ich bin
ihr Gegner, weil ich es für wich-
tiger halte, daß das Gesamtniveau
der Kunstproduktion ein hohes sei,
als daß ein paar bedeutende Per-
sönlichkeiten künstlich emporge-
züchtet werden. Und das ist doch
immer wieder der Schrei der Jury-
losen : alle bedeutenden Künstler
sind anfangs verkannt worden,
alle sind so und so oft von Aus-
stellungen zurückgewiesen worden
und waren daran, mutlos zu ver-
zagen — da sind wir >Jurylosen«
doch die besseren, bei uns erhält
jeder das Wort, und darüber könnt
ihr wohl die unvermeidlichen min- (4
derwertigen Arbeiten, die man na- V)
türlich bei uns auch zu sehen be- M
kommt, in Kauf nehmen! — Nein, (\
das können wir eben nicht. Denn
jene paar Bedeutenden fänden si-
cherlich auch so den Weg (und
wäre es vielleicht um einige Jähr-

carl piepho dame in weissem kleid lein später — was liegt daran ?; —

Künstlerbandaasstellung, Darmstadt wjr aber müssen verlangen, daß das

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