Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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VON AUSSTELLUNGEN

einem in überschwenglicher Verzücktheit Parallelen
mit Liebermann, ja sogar mit Menzel aufdrängen
möchten. Mayrshofers Kunst strebt nicht ins Wilde,
Ueberschäumende, Große: kleine Blätter mit minu-
tiösen, merkwürdig kribbeligen Strichen oder feinen,
gewischten Tönen — so tritt seine Kunst äußerlich

in die Erscheinung. Die .Motive sind mannigfaltig: ^R"twlVüUkS^M*

Landschaften voll eines intensiven Innenlebens,
große Menschenansammlungen, gezeichnet mit pein-
licher Akribie der Details, aber zugleich von beinahe
dekorativer Gesamtwirkung, und — der motivliche
Grundakkord seiner Kunst — Frauenakte, herrliche
und häßliche. Teils Studienmaterial, so delikat und
reizvoll, so leicht hingewischt und dabei so plastisch
modelliert, daß man keinen modernen Künstler zu
nennen weiß, der das besser machen könnte, teils
tolle, ausgelassene Szenen mit stark erotischem Ein-
schlag, halb Bacchanal, halb Liebesgarten — doch
auch hier das stoffliche Interesse das künstlerische
nicht zurückdrängend. Jedenfalls bleibt es be-
stehen : hier tritt ein Künstler vor uns hin, der
fortan mit unseren allerbesten deutschen Zeichnern
zusammen genannt werden muß. g. j.w.

DRAG. Der tschechische Künstlerverein >Manes<
* hat eine interessante Skizzenausstellung eröffnet,
zu der seine Mitglieder reiches Material beigesteu-
ert haben. Allerdings blendet jede Skizzenausstel-
lung; denn dem Entwurf haftet meist eine persön-
liche Frische an, bisweilen eignet ihm eine geniale
Leichtigkeit oder ein kühnes Wollen; lauter Vor-
züge, die leider häufig auf dem langen und schweren
Wege zur vollendeten Ausführung des Werkes ver-
loren gehen. Einige Künstler sind mit größeren
Kollektionen vertreten: so der elegante Zeichner harry Schultz b, volkstrachtenfest des

L. Marold, der vor etwa zehn Jahren starb; Ales, künstler-sänger-vereins München 1908

dem ich nicht viel Geschmack abgewinnen kann;
ferner der treffliche Karikaturist Hugo Böttinger
und der Pariser T. F. Simon, der glänzende Proben
seines vornehmen Könnens bringt. Außerdem wären
noch zu nennen Vlastimil Hoffmann, A. Sla-
vicek, Viktor Stretti, Karl Spillar und eine
vorzügliche Porträtskizze Max Svabinskys, wohl
des besten tschechischen Porträtisten. Sehr reich
ist die Plastik vertreten. Josef Maratka bringt
eine große Reihe teilweise recht interessanter Ent-
würfe und viele zeichnerische Skizzen, die als Be-
wegungsstudien sehr gelungen sind. Myslbeck
zeigt fast zwanzig sorgsam und sicher durchgear-
beitete Zeichnungen; außerdem erwähne ich noch
Sucharda und Stursa. Im allgemeinen bewegt
sich die tschechische Plastik zu sehr in malerischer
Richtung, und etwas mehr Besinnung auf rein pla-
stische Wirkungen wäre dringend nötig. — Der
Kunstverein führt eine Kollektivausstellung des in
Paris lebenden Tschechen W. Radimsky vor, die
durchwegs in hellen Farben leuchtende Landschaf-
ten zeigt, in denen meist Wasser eine große Rolle
spielt. Ueber Radimsky ist nichts Neues zu sagen:
er bewährt sich wieder als guter geschmackvoller
Landschafter, dessen begrenztes Talent auf seinem
Gebiete Erfreuliches leistet, ohne eine Größe anzu-
streben, die seinem Wesen versagt ist. — Die
Malerinnensektion des deutschen Vereins ^Frauen-
fortschritti hat ihre übliche Weihnachtsausstellung
eröffnet, die einen immerhin anständigen Durch-
schnitt aufweist, aus dem die Arbeiten der in Mün-
h.schwegerle. aus dertanzordnung chen lebenden Deutschböhmin Lili Gödl-Brand-
zum Münchner gauklertag ieo~ <s huber hervorragen. Emil umz

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