Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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DIE INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG IN BREMEN

auf dem Stuhle vor der Staffelei sitzend (Abb. DIE INTERNATIONALE KUNST-
geg.S.301),und auchdiegroßenRepräsentations- AUSSTELLUNG IN BREMEN

porträts der Zeit wie das des Rittmeisters von

Carlowitz, des Fürsten Heinrich XIII. von A m 1. Februar wurde in der Bremer Kunsthalle
Reuß, die 1805 gemalt sind, zeigen die ein- für zwei Monate eine große Internationale Aus-
fache, aber individuelle Pose der neuen Zeit. Stellung eröffnet, in Verbindung mit einer Ausstellung
' , ■. . y-, n, ■ j- der Vereinigung nordwestdeutscher Kunstler. Sie
Als Kunstler bleibt Graff in allen diesen umfaßt enva 350 Gemälde) annähernd ebensoviel

Aenderungen des äußeren Gewandes, die nicht graphische Blätter und zirka 750 Bildhauerwerke,

eigentlich eine Entwicklung bedeuten, stets Es handelt sich nicht um eine Vorführung der

der gleiche. Er war keiner von den Großen, grämten zeitgenössischen Produktion, sondern um

. , ° , , . , .. -T- , c. , eine sorgsam gewählte Schau von Dingen, die zum

nicht mehr als ein tüchtiges Talent. Schon Tejl bis („ die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu-

die unbedingte Beschränkung auf das Porträt rückreichen und wenig bekannt sind. Zu diesem

weist darauf hin. Aber mit seinem soliden Zwecke mußte auch der Privatbesitz verschiedener

Können stellt er doch ein gewisses Niveau Städte herangezogen werden.

..„..^ , .a j , j bin Hauptakzent der deutschen Malerei ist diesmal

dar, einen Quahtatsbegnff, der von der deut- auf München gelegtj und zwar auf das München der

sehen Malkunst des 18. Jahrhunderts nicht siebziger Jahre. Die erste Generation ist durch Diez
allzu schlecht denken läßt. Gewiß kann sie repräsentiert, dessen Bildnis des Malers Reinherz
sich nicht mit der reichen, vielgestaltigen Kunst vorzüglich wirkt Von Zimmermann sehen wir ein
. .... Dii i • if u gutes Fischstilleben und von Lenbach außer sehr

des franzosischen Rokoko vergleichen, auch guIen frühen Bildnissen eine Reihe von Landschaften
nicht mit der vornehmen, wenn auch niemals aus dem Besitz des Grafen Kalckreuth, einige im
im letzten Grund reinen und selbständigen Stil des Hirtenjungen bei Schack, andere von einer
Kunst der englischen Porträtisten des 18. Jahr- ffvisse" Verwandtschaft mit Corot. Die großen
. , ° . ~ . Meister des 7. Jahrzehnts sind Leibi und Trubner.

hunderts, aber in seinem umgrenzten Gebiet Leibl ist miteinem »Oberbayerischen Bauernjungen«
hat Graff als Künstler seine hohe Bedeutung, von 1888 gut vertreten, Trübner hat eine Anzahl
steht er als tüchtiger Könner am Eingang seiner schönsten alten Bilder geschickt, >Das Liebes-
einerneuen Zeit, einer neuen Blüte deutscher P3" "* H""d*> den Jungen Mann mit der Papier-
v rolle, den >Wächter« und die = Frau im Lehnsessel«.

K-unst- Von Landschaften eine sehr feine Ansicht von Schloß

Frauenchiemsee, sowie ein kräftiges, neues
Parkbild. Schuch tritt als interessanter Land-
schafter auf, Theodor Alt lernt man mit
einem sehr gut gemalten schlafenden Kinde
(1871) kennen. Eine Sonderstellung nimmt
hier A. von Keller ein — von ihm sieht
man eine Kollektion von zirka 35 Werken, in
einem Oberlichtsaal sehr schön zusammenge-
hängt mit Trübner und Leibi — eine Auswahl
von Bildern vom Jahre 1868 bis 1908. Durch
Habermanns Selbstbildnis von 1892 ist dann
der Zusammenhang mit der neueren Münch-
ner Malerei hergestellt. — Düsseldorf ist in
geringer Quantität, aber gut vertreten: Aus
älterer Zeit durch einige Porträte Leutzes,
aus jüngster durch einen »Verlorenen Sohn«
von 1908 von E. v. Gebhardt. Unter den
Frankfurtern ragt eine Landschaft von Peter
Burnitz hervor, dann natürlich Boehle;
während sich der alte Anton Burger doch
als ziemlich schwach erweist.— Aus Weimar
hat Ludwig von Hofmann einige neuere de-
korative Kompositionen geschickt, die dunkler
im Ton sind als seine früheren Bilder der Art.

Von Max Liebermann ist eine Anzahl
von Arbeiten vorwiegend aus älterer Zeit da,
kleine Landschaften aus der Mitte der sieb-
ziger Jahre, die Mutter mit dem Kinde von 1878,
eine Schafherde aus den achtziger Jahren und
den merkwürdigen und sehr kühnen Schläch-
terladen von 1879, der sich in der Koloristik
mit neueren Werken berührt, z. B. mit den
Studien zur Judengasse. Aus dergegenwärtigen
Periode des Künstlers sehen wir dann einige
der schönen Strandbilder von Nordwyk. Sehr
anton graff bildnis der Herzogin von york interessant ist Liebermanns eine Porträtarbeit,

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