Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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ADOLF VON HILDEBRANDS BISMARCKDENKMAL IN BREMEN

Tagen bei uns einen merklichen Aufschwung. InMün- sten Götter gelten. Da ist ein hinreißend schönes
chen z. B. sind mir zahlreiche private Sammlungen von Selbstbildnis des H. v. Marees, daneben hängen ein
höchstem Wert bekannt. So hat der Lebzelter Eben- paar ausgezeichnete Trübner und einige der indi-
böckeineunvergleichlich schöne Kollektion von Spitz- viduellsten Stücke Püttners, den Heymel besonders
weg-Bildern, Weigand und die Brüder Deutsch haben liebt. Stremel und Tooby, Klimt und Thoma, Lud-
diebesten Werke der älteren Münchner Schule sich zu wig v. Hofmann und Kubin, Kardorff und Heine,
sichern verstanden, Thomas Knorrs Galerie gibt vor Vogeler und Behmer, sie alle halten gute Nachbar-
allem einen Ueberblick über die Entwicklung des deut- schaft in dieser Sammlung. Und dann die Fran-
schen Sezessionismus, und Dr. Sternheim besitzt aus- zosen. Obenan drei Manets, von denen namentlich
gezeichnete französische Meister, wie sie in Deutsch- der Frauenkopf von faszinierender Lebendigkeit ist,
land selten anzutreffen sind. Alle diese Sammlungen ferner ein etwas dunkles, volltöniges Stilleben von
haben also einegewisse Marschrichtung, eine >Specia- Delacroix, Arbeiten von Gauguin und Van Gogh,
lität«. Das ist bei der bekannten Sammlung des besonders zahlreiche Werke von Toulouse-Lautrec
Herrn A. W. v. Heymel nicht der Fall. Man merkt und pikante Federzeichnungen von Konstantin Guys
wohl eine gewisse Vorliebe für die Franzosen, aber (ganz Eleganz des zweiten Kaiserreichs); sodann
die deutschen Werke halten den französischen durch- Daumier, Renoir, Signac, Bonnard, Puys, Guerin u. a.,
aus die Wage . . . Heymel hat diese Sammlung die das illustre Ensemble vervollständigen. Dem,
(im ganzen etwa 150 malerische und graphische der in Kunstdingen feine Witterung hat, sagen schon
Werke) gegenwärtig der allgemeinen Besichtigung diese Namen, was er sich von der Sammlung zu
zugänglich gemacht, indem er sie Thannhausers erwarten hat. Es sei aber noch ausdrücklich
>Moderner Galerie« in München zur Ausstellung betont, daß Heymel durchaus nicht darauf ausging,
überließ. Ganz entspricht eine solche Schaustellung >repräsentative Galeriewerke« zu erwerben, kleinere
einer privaten Galerie meiner Vorstellung vom ernst- intime Stücke, die vom Eigensten eines Künstlers
haften Sammler nicht, aber man nehme die Dinge, geben, zog er bedingungslos vor. Das macht den
wie sie liegen: interessant ist diese Kollektion auf Reiz dieser Sammlung aus und bedingt ihre Sonder-
jeden Fall und sie zeugt für den guten Geschmack Stellung unter den übrigen privaten Kunstsamm-
ihres Besitzers und für seine künstlerische Weit- Jungen Münchens. G. j. w.
herzigkeit — er läßt in der Kunst die verschieden-

ADOLF VON HILDEBRANDS
BISMARGKDENKMAL IN BREMEN

Adolf von Hildebrand hat der Stadt
** Bremen ein Bismarckdenkmal (Abb. S.551
geschaffen, das nicht nur den Künstler ehrt,
sondern auch der Stadt zur höchsten Zierde
gereicht: übereinstimmend hört man es als
eines der schönsten und eigenartigsten neu-
zeitlichen Kunstdenkmäler Deutschlands prei-
sen. Bremen besitzt bereits in Hahns Moltke
Relief-Denkmal und in Tuaillons Kaiser-
Friedrich Reiterstandbild eigenartige öffent-
liche Plastiken, nun gesellt sich diesen in
Hildebrands Bismarck-Monument ein drittes
von außerordentlichem Wert. Schon die Wahl
des Platzes war sehr glücklich. Die präch-
tige Architektur des Domes, vor den das Denk-
mal zu stehen kam, gibt einen wirkungsvollen
Hintergrund ab, das Rathaus, der Schütting,
die Börse, die Banken etc., welche die nächste
Umgebung architektonisch beherrschen, bil-
den die denkbar vornehmste Folie. Das Denk-
mal selbst ist in der Art von Verrocchios Col-
leoni-Standbild vor San Giovanni e Paolo in
Venedig gegliedert. Auf sechs Meter hohem
Sockel aus rötlichbraunem Untersberger Mar-
mor, dessen geschlossene gedrungene Masse
durch keinerlei ornamentale Verschnörkelung
oder durch Inschriften beeinträchtigt wird, er-
hebt sich das Reiterstandbild in Bronze. Es
steht in der Silhouette ausgezeichnet vor dem
dunkeltönigen Kirchengemäuer, zu dem auch
das leicht grün patinierte Erz in effektvollen
koloristischen Kontrast tritt. Bismarck ist dar-
gestellt in Kürassieruniform, die sich freilich
im ästhetischen Interesse einige Stilisierungen
carl georg barth kind mit kugel gefallen lassen mußte und nicht bis zum letz-

Mänchner Glaspalast 1910 ten Uniformknopf genau wiedergegeben ist,

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