Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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ALFRED SCHMIDT

Känstlerbundausstellang, Darmstadt

SOMMER

KUNSTLERSIGNATUREN

Von Dr. Hans Vollmer
(Schluß)

Die Signierung mit vollem Namen ist dem-
gegenüber bei den Italienern zu allen Zei-
ten die weitaus vorherrschende Form derEigen-
tumsbezeichnung. Meist werden die Namen,
der allgemeinen Latinisierung der Bildung ent-
sprechend, in lateinischer Form gegeben, bis-
weilen wohl auch in griechischen Lettern (In-
schrift auf dem Wiener Sebastian des Man-
tegna) oder selbst mit ins Griechische umge-
bildeter Form (Giov. Batt. Cignaroli signiert auf
einem Wiener Madonnenbild: KuxvctpcoXoc).
Häufig wird der Heimatsort, hin und wieder
auch die Schülerschaft dem Namen beigefügt.
Die nähere Zeitbegrenzung der Vollendung
einer Bildtafel durch Angabe des Monats und
selbst desTagesder Vollendungkommt, nament-
lich im vierzehnten und fünfzehnten Jahr-
hundert, sowohl im Norden (Genter Altar der

Eycks) wie im Süden vor; „1423 Mensis Mai"
steht auf der berühmten Florentiner Anbetung
der Könige des Gentile de Fabriano zu lesen.
Besondere Würden werden gerne dem Namen
hinzugesetzt; so zeichnet Melozzo da Forli:
Melotius pic. Pa. (Pictorpapalis), Tizian häufig:
Titianus Eques. Derart hochtrabende Inschrif-
ten, wie sie das Augsburger Bild des Bene-
detto Luti weist: Sacri Romani Imperii Eques
Benedictus Luti etc., sind allerdings auch im
achtzehnten Jahrhundert eine Seltenheit.

Die von italienischem Kunstgeist inspirierten
Dürernachfolger machen zuerst diese italie-
nische Gewohnheit der vollen Namenssigna-
tur in Deutschland populär. Der Heimats-
ort wird nach italienischem Vorbild häufig dem
Namen beigesellt (Joann Burgkmair Pictor
Augustanus usw.), zu der Jahreszahl unnötige
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