Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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VOM WIENER HAGENBUND

w.l.lehmann fohnstimmung

Sommerausstellung der Münchner Secession

VOM WIENER HAGENBUND währen sich auch als impressionistische Maler, Otto

Barth hingegen bringt Holzschnitte und ein Glas-
Vy/IEN. Einen starken Rückhalt findet der Hagen- gemälde mit dem Motiv der Berge, denen Adolf
" bund, mag er auch als Organisation seit jeher Gross als Tafelmaler treugeblieben ist. Zu diesen
mit Flut und Ebbe im Stande seiner Mitglieder zu sind noch Jos. J. Beyer, Wilhelm Wodnansky
kämpfen haben, immer wieder in dem betätigten und F. Pamberger Graz) zu gesellen, etwa noch
Willenzu einem künstlerischen Idealstreben. Wessen Oskar Laske, der in flinken Aquarellen sein Tage-
er fähig wäre, träte an ihn die Aufgabe heran, einen buch führt, denn sonsthin gehen die Tendenzen weit
Raum dekorativ auszugestalten, das wird in einem auseinander. Ein tüchtiges Porträt von A. D. Goltz
Saale seiner gegenwärtigen Ausstellung gezeigt. Mit ist zu nennen, und von Alexander Wilke, dem
grotesken Holzschnitzereien hat Franz Barwig die Illustrator, ein derbes Oelgemälde »Die Hexe«,
Pforte gerahmt und damit auf seine in der kernig Walter Hampel tiftelt spitzpinselig an seinen
kerbenden Technik seines Messers ausgeführte Temperabildchen, A. O. Alexander löst die Akte
Reliefgruppe »DerLebensbaum« vorbereitet. In einer in blasse Farbennebel auf. Unter den auswärtigen
Reihevon Wandfüllungen entwickelt dann zur Linken Mitgliedern sind F.Dorsch (Dresden), J. P.Jung-
der Tiermaler Karl Huck eine >Tragödie< die sich hans (Düsseldorf) und Gino Parin (München) wohl-
unter mächtigen Raubvögeln des Hochgebirges ab- bekannt. Wenig Plastik, aber Gutes: vor allem zwei
spielt, und zur Rechten der Affenspezialist Imre Büsten und ein Grabdenkmal des Wieners Karl
Simay eine »Komödie« der Vierhänder, als sati- Stemolak, gesund und ohne Kraftmeierei aus dem
risches Gegenstück. Alle haben von ihrem Besten Vollen geschaffen, poetische Bronzeplaketten des
gegeben, und desgleichen unbeirrt in ihrer Eigen- Pragers St. Sucharda, und »das Klageweib«, eine
art sind weiterhin die Talente des Hagenbundes zu mährische Volkstype des überaus begabten Neulings
beobachten: L.F.Graf sucht sich im Freien sowie Franta Uprka. Die Tschechen sind, wie immer,
im Innenraum (»San Marco« und »ländliches In- durch eine Abordnung vertreten, in der diesmal
terieur«) die schwierigsten Lichtprobleme, denen er Vaclav Maly hervorragt, der einen Sonntag und
in kühnem Kolorismus beikommt, während Hugo das Laurenzifest in Taus ungemein frisch und in
Baar seine Winterlandschaften aus den Beskiden moderner Anschaulichkeit schildert. Endlich haben
nun, sparsamer denn je im Aufwand der Tempera- sich auch einige Krakauer eingestellt: Uziemblo
färben, zu schönsten Stimmungsbildern ausklingen mit landschaftlichen Studien, die in ihrer Augen-
läßt; seine hellbunte Palette wendet August Roth blicklichkeit an Stanislawski erinnern, Sichulski
an eine große Komposition »Der Brunnens und, mit mit einem dreiteiligen Pastell »der Fischer«, worin
mehr Glück im raschen Griff, an Reiseskizzen; sich seine Klärung ankündigt, und Mehoffer trium-
Ferdinand Michl, Meister in farbigen Radierungen, phiert wieder im phantastisch Dekorativen und als ein
und Rudolf Junk, der vielgewandte Graphiker, be- wähliger Porträtist von vornehmstem Geschmack.

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