Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

den mächtigen Schädel bedeckt der Helm; die Linke bietet. Das beste davon ist noch die Gedächtnis-
zügelt das kraftvoll ausschreitende Pferd, die Rechte ausstellung des verstorbenen Alfred Zimmer-
umschließt eine Pergamentrolle, unter der man sich mann, der in seinen Anfängen als Schüler Linden-
die »Verfassung des Deutschen Reiches« vorstellen schmits auf der Linie Munkacsy-Diez eine Anzahl
kann. Es ist also weder ein martialischer Kriegs- ansprechende Werke schuf. Der Pleinairismus aller-
held, noch ein feinspinnerischer Politiker aus diesem dings brachte ihn, wie so viele, ganz aus der
Bismarck geworden, dieser Hildebrandsche Bismarck Bahn, und er landete bald in einer blassen, kraft-
ist — eben Bismarck. Mit einer Selbstverständlich- losen Manier. Charles Toobys lebensgroße
keit empfindet man das, daß man über dem Werk, Tierstudien — denn von Bildern kann man kaum
über der Gestalt da droben, beinahe den Schöpfer noch sprechen — werden niemanden erwärmen, und
vergißt. Und das ist schließlich doch immer eines Max Rossbach ist ein so blutiger Dilettant, daß
Künstlers größter und ehrlichster Erfolg. man besser getan hätte, seine Arbeiten nicht aus

AUS DEN BERLINER

KUNSTSALONS

V^ährend sich in München das
" künstlerische Leben mehr
und mehr auf das Sommer-
halbjahr konzentriert, wird es
in Berlin zur Sommerszeit von
Jahr zu Jahr stiller; die ständi-
gen Ausstellungen der Kunst-
salons erleiden eine Unterbre-
chung und was man etwa noch
zeigt, erhebt nicht den Anspruch
darauf, ganz für voll genommen
zu werden.

Das Künstlerhaus hat seine
Räumeeinem im Grunde fremd-

kann. Es ist also weder ein martialischer Kriegs- ansprechende Werke schuf. Der Pleinairismus aller- ff

held. noch ein feinsninneriseher Politiker aus diesem Jines brachte ihn. wie sn viele, panz aus der K

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artigen Unternehmen zur Ver- W ]W f ä I (i

fügung gestellt. Denn so sehr lv f ÜBE K\

I) die zahlreichen Freunde des f \ .. H w (l

vi Dichters sich der Fritz-Reuter- v\

r) Ausstellung, die den gesamten (*

ff Bestand eines zu gründen- -~\ !v

K den Reutermuseums aufweist, *—"~ ^_ "-y V<
freuen werden, so wenig hat die _—-—('

^) denden Kunst zu tun, obwohl ^

M Reuter in seinen jungen Jahren flB m

/) recht brav im Porträtfach dilet- (i

ff tierte. Aber prinzipiell wird man '"Jnm r)

A sich angesichts dieser Ausstel-, M

K\ lung wieder einmal fragen dür- ✓)

uj fen, ob solche Gegenstände wirk-: H J<J

y) lieh geeignet sind, museal auf- ()

M gestellt zu werden, ob es nicht >\

() im wesentlichen archivarisch zu (i

ff verwaltende Dinge sind, die V)

V. nicht unbedingt zur ständigen E*ll ff

V\ Besichtigung für ein neugieriges *,)

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(i Publikum ausgelegt sein müs- B^^^l M

t) sen. Jedenfalls sollte man aber A

\1 möglichst sparsam sein, und ein ^\

W Zimmer mit den Hauptreliquien (i

ff des Dichters, denen ein gewisser f)

r. kulturgeschichtlicher Wert nicht Wi^^H^H^HBW'^^' \V

►N abzusprechen dürfte, ^^^HP^WiHHB^^^B^BI^^»-^.^—■ f)

W möglichst wenig panoptikum- ^m^B^BBMV W

K) mäßiger Aufstellung würde voll- —«...: ^BB^^BH ()

ff auf genügen. __^ v.a____! ^

() Gar keine Kunst ist immer- ^^^^^ ~ " K

hin besser als schlechte Kunst. ^BHMjHMHMgnBHiOTHSMvW *]

(i Und so beschäftigt man sich (<

y\ lieber noch mit der Reuter-Aus- {j\

uj Stellung als mit den Kunstwer- ^ *>■-^-"^"■- - Vi

f) ken, die diesmal der Schultesche adolf von hildebrand iq bism arck d e n km a l in Bremen ✓)

Salon seinem Sommerpublikum Nach einer Photographie von E. Max Kaufmann, Bremen

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