Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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j UBER IMPRESSIONISMUS

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i T^m guter Teil der deutschen Auffassung des das Seelische. Es klingt anders, wenn man

) -t-* Impressionismus, und zwar der mildere vom Herzen redet oder von pulsierenden Ar-

s. und bessere Teil, riecht stark nach Apotheke, terien.

^ Die Reize der Retina, die Spektralanalyse, Ein Unbehagen bemächtigt sich des Laien.

) das Komplementärproblem und das Divisions- Unwillkürlich brachte man den Impressionis-

\ prinzip bilden die Terminologie der Kritik mus mit dem Materialismus in Verbindung,

J dieser neuen Kunst. Man spricht von reinen der den Menschen als Säugetier und Vetter

U Farben mit derselben Geläufigkeit, mit der des Affen behandelt. Es war eine Säugetier-

js) man früher vom reinen Gemüt u. dergl. han- kunst. Seine Wirkungen schienen animali-

£v delte. Und so hat sich in manchem Laien scher Art. Da malte einer Spargel, einen

(i die Ueberzeugung gebildet, man müsse ein einfachen Bund Spargel, der zu einem Meister-

() Physiker, ein Optiker, ein Gelehrter sein, werk ausgerufen wurde und, bei Licht be-

►\ um die Bilder der Impressionisten zu wür- trachtet, nur ungemein nach Spargel aussah.

M digen. Schon der Name drängte die Auf- Manets Bildnisse, selbst das seiner Eltern,

P fassung auf ein physiologisches Gebiet. Im- bestanden aus Fleisch und Kleidern. Ueber-

pression! Damit konnte doch nicht einfach haupt, das Fleisch! Man las nur noch von

M der Eindruck gemeint sein; mindestens nicht Fleisch, von Fleischfarben, Fleischmalern, von

(1 der aller Kunst eigentümliche Eindruck auf Fleisch am Mittag und im Dämmerlicht, im

JEAN FRANQOIS MILLET DER WINDSTOSS

Von J. Meier-Graefe

Die Kunst für Alle XXV. 7. 1. Januar 1910. 145 '9
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