Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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den Architekten und anderen Künstlern eine Reihe Arbeiten zum
Vergleich herangezogen, so daß eine gewisse künstlerische Ent-
wicklungslinie auf dem Gebiet des Eigenhausbaues die Einzelheit
zur allgemein interessierenden Angelegenheit weitet. Der Wille
und die Art des Bekenntnisses zu dem, was die reinste und reifste
Wohnungskultur der Gegenwart bedeutet, des Bekenntnisses eines
so prominenten und führenden Vorkämpfers, wie es Alexander
Koch ist, vei leiht seinem Eigenhausbau einebesondere Bedeutung.

Die im selben Verlag erscheinende Zeitschrift „Deutsche
Kunst und Dekoration" ist mit dem neuen Heft besonders
interessant, denn das Heft bringt eine ausführliche Würdigung
der bedeutsamsten Jahresausstellungen 1825, München und Paris,
und zwar wird der Beteiligung Österreichs auf der internationalen
Kunstgewerbeausstellung in Paris ein besonderes Kapitel ge-
widmet. Entsprechend dem Charakter der Zeitschrift, die die jeweils
treibenden Kräfte des Neuen in Kunst und Kunstgewerbe auf-
spüren, aufhellen will, ist jenen Werken, die das mehr Problema-
tische als das Gesicherte darstellen, eine besondere Aufmerksam-
keit gewidmet, wodurch die Diskussion des Schaffens, des Formens,
des sich Abfindens, des Überholens, kurz des Fortschrittes er-
öffnet wird. Prof. Dr. J. L. Fischer.

M. Heidrich und H. Weber, Der junge Tischler. (Ver-
lagsanstalt des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, Berlin. 2. er-
weiterte Auflage. Geb. Mk. 8. —.) Nachdem die 1. Auflage in
einer für ein Fachbuch überraschend kurzen Zeit vergriffen war,
hat der rührige Verlag das Werk in erweitertem Umfang heraus»
gebracht. Ein Architekt und ein Fachlehrer sind die Verfasser,
das Buch greift aber weit über das Technische und Stilistische hinaus
und betont in erfreulicher Weise die ethischen Zusammenhänge
die zwischen guter Arbeit, Kultur, Fortentwicklung bestehen.
„Die Bedeutung guter Tischlerarbeiten für das Wohl des Staates",
diese Überschrift eines Abschnitts bezeichnet den tiefen Ernst mit
dem gerade dem jungen Handwerker Wert und Tragweite seines
Schaffens vor Augen geführt werden. „Tischlerei und Stil", „Die
Seele des Holzes" weisen eindringlich die Grundlagen für mate-
rialgetreue tüchtige Arbeit nach. Nach solcher Einführung folgen
mehr ins einzeln gehende Abschnitte über die verschiedenen
Arbeitsgebiete. Gewiß wird auch mancher Alte das Buch gerne
und mit Gewinn zur Hand nehmen, besonders aber sei es der
Jugend empfohlen, als „Erziehung zu wahrhaftigem und schönem
Schaffen" wie der Untertitel lautet. Hervorzuheben sind die sehr
glücklich gewählten Abbildungen <137) die teils nach phot. Auf-

nahmen, teils nach Skizzen gute Arbeiten aller Art vom Klein-
gerät bis zur Zimmereinrichtung zeigen.

Friedr. Hüllweck, Handwerkliches Gestalten. (Verlag^
anstalt des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, Berlin. Geb.
Mk. 7.—). Auch dieses Buch, dessen Verfasser der Direktor der
Kunstgewerblichen Fachschule in Flensburg ist, zeigt hohe ethische
Einstellung und wie jenes für den jungen Tischler bestimmt ist,
so wendet sich dieses an den Holzbildhauer, es macht das „Gestal-
ten nach dem Gesetz des Materials" zu seinem Mittelpunkt und
führt diesen beherrschenden Gedanken von klassischen Vorbildern
bis zur praktischen Anwendung bei heutigem Schaffen folgerich-
tig durch. Ein ausgezeichnetes Abbildungsmaterial unterstützt
den Text und veranschaulicht in vorbildlicher Weise, was hinter
dem Begriff der „Materialechtheit", der leider auch schon vielfach
als leeres Schlagwort kursiert, tatsächlich zu verstehen ist. Neben
der freien Plastik kommt auch die angewandte Kunst zu ihrem
Rechte. Der Hinweis, daß auch heute das Heil in handwerklichem
Können und persönlicher Gestaltungskraft liegt, daß es darauf
ankommt bei aller Achtung vor der Vergangenheit den geistigen
Inhalt der Zeit zur Greifbarkeit zu verdichten, zeugt von der
geläuterten Auffassung von der das Buch getragen ist.

Niedersächsische Kunst in Einzeldarstellungen. Heraus-
geber Gen.-Kons. Dr. L. Roselins und Professor V. C. Habicht.
(Bisher 14 Bändchen. Angelsachsen-Verlag, Bremen. Bd. Mk.2.—>
Von dieser köstlichen Buchfolge, die, wenn auch kleiner im Um-
fange, sich doch unseren „Kunstdenkmälern in Bayern" wohl zur
Seite stellen kann, liegen 4 neue Erscheinungen vor; Karl Schae-
fer, „Hanseatische Schapps" behandelt die herrlichen Stüdce hansea-
tischer Schreinerkunst, die uns in Ratsschränken der alten Frei-
städte erhalten sind. Ortwin Meier „Kunststücke niedersächsischer
Mittelaltermünzen" befaßt sich mit der Münzenprägung und ent-
hält sowohl über die Technik wie über die kunstgeschichtliche
Seite viel Bemerkenswertes. Dir. Dr. K. H. Jacob - Friesen —
„Prachtfunde aus Niedersachsens Urgeschichte", führt in die Kunst
der vorgeschichtlichen Zeit ein und zeigt Fibeln und Schmiede-
stücke aus der Bronze- und Eisenzeit, auch keramische Funde.
Ferd. Stattmann, „HansRaphon" ist dagegen die Monographie
eines Meisters, des „zweiten Apelles", wie ihn eine zeitgenössische
Inschrift nennt. Die Bändchen sind von sehr hübscher Form und
Ausführung und mit bestem Abbildungsmaterial versehen. Der
gleichwohl billige Preis macht sie für die wünschenswerte weite
Verbreitung besonders geeignet.

KLEINE MITTEILUNGEN.

Geschäfts=Jubiläum Wallach. Das Volkskunsthaus Wal-
lach hat das 25. Jahr seines Bestehens vollendet. Die Brüder
Julius und Moritz Wallach waren aus privater Liebhaberei und
Sammeltätigkeit dazu übergegangen, die Landestrachten zum
Gegenstande eines Fachgeschäftes zu machen. Gründliche Arbeit
und großes Verständnis für Volkskunst führte sie auf aus-
gedehnten Reisen über das Gebiet von Bayern und Tirol
hinaus durch Westfalen, Friesland, Holland, Skandinavien, aber
auch Ungarn, Italien, Spanien, Rußland und den Balkan. So ent-
stand allmählich die Weltfirma für Trachten und Bühnenausstat-
tungen, aber auch Bauernmöbel, Schnitzereien, Keramiken und
guter Hausrat aller Art wurde bald mit aufgenommen. Der Krieg
war für das Haus natürlich ein empfindlicher Rückschlag, dennoch
schuf schon 1920 der Unternehmungsgeist der Brüder Wallach
das in seiner Art einzig dastehende, man könnte sagen: Privat-
museum an der Ludwigstraße. Auch wurde die Handweberei und
Stoffdruckerei aufgenommen und es kam zur Gründung der

Dachauer Werkstätten. Bayern dankt dem Hause Wallach, das
stets, auch in der architektonischen Ausgestaltung der Räume
großen Kunstsinn mit kaufmännischer Tüchtigkeit verband, vieles
für die Erhaltung seiner Volkskunst, es sind aber auch viele An-
regungen namentlich auf textilem Gebiete von ihm ausgegangen.
Möge das Unternehmen, das eine Zierde unserer Stadt bildet,
weiterhin blühen und gedeihen.

Franz X. Weinzierl. Ein Altmeister der Lederschneidekunst,
der weit über München hinaus bestens bekannt ist, ist im Begriffe,
seine Tätigkeit beim Deutschen Museum zu beendigen und wenn
wir auch hoffen, daß Franz X. Weinzierl damit keineswegs schon
an einen Abschluß seines Wirkens denkt, so gibt dieser Abschnitt
in seinem Leben doch Veranlassung zu einem Rückblick.

1860 in München geboren, wies eine ausgesprochene Begabung
den Knaben schon in früher Jugend auf den Musikerberuf. Durch
einen Unglücksfall beim Turnen verlor er jedoch das Gehör voll-

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