Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

Seite: 21
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1926/0023
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
DQLL-PEZOLD

Park in Bad Dürkheim

WERKSTATTKONNEN IN DER KUNST

Eine Betrachtung zum 60. Geburtstag Georg Pezolds.

In einem ganz besonderen Sinne ist München die
Heimat vieler Künstler geworden — Heimat in dem
Sinne, daß hier ein nicht leicht wieder auffindbares
Milieu und eine feste Tradition gegeben ist, die in
der innigen Verbindung von Kunst und Handwerk
wurzelt. Wir finden daher häufig bei den Meistern
von Malerei, Plastik und Architektur an altmeisterliche
Zeiten und Erscheinungen erinnernde Züge. Was eine
neuere Einsicht besonders hervorkehrt: daß daskünst-
lerische Schaffen sich wieder mehr in den Dienst des Le-
bens stellen, einer planvollen Idee, einem konstruktiven
Zweck — im besonderen einer architektonischen Zweck-
setzung unterstehen soll, das war in den in München im-
mer schon tektonisch gerichteten Künsten, vor allem in
Plastik, Kunstgewerbe und Architektur selbstverständ-
lieh. Tradition und Erfahrung wiesen auf diesen Weg.

Wir sehen dies deutlich auch im künstlerischen
Schaffen der Bildhauer Düll und Pezold. Man könnte
dieses gerade als Beispiel einer ebenso zwed<= als sinn-
voll angewandten Kunst ansprechen. Ihr Schaffen
steht sichtbar im Leben, ist eng verbunden mit unserer
unmittelbaren Umgebung, mit Straßen,Plätzen,Brücken
und Anlagen, öffentlichen Gebäuden und Anstalten
der Stadt. Es spiegelt sich darin ein glüdilich hand-
werklicher volkstümlicher Zug, ein gewisser liebens-
würdiger Humor bei allem künstlerischen Ernst und der
Neigung zum betonten Monumentalen hin.

Man kommt dieser nun schon seitJahrzehnten auf fast
allen Gebieten der Plastik, Bildnerei und Bildhauerei

sich auswirkenden künstlerischen Tätigkeit näher, wenn
man unsere Meister bei der Arbeit in ihrer Werk-
statte aufsucht. Da erschließt sich an vorhandenen
Modellen, Entwürfen, fertigen und laufenden Ar-
beiten, an den Materialien, die hier lagern und zur
Bearbeitung bereit stehen, ein weiter Umkreis ihres
Schaffens. Eine angefangene Büste zeigt die Künst>
ler beim Modellieren, jener Art von Bildnerei, die es
verstattet, der Natur sozusagen ihr mimischesKonterfei
abzulauschen und das flüchtig Erhaschte sogleich zu
fixieren. Neuerdings sind die Künstler daran, dem bild-
samen Ton auch noch andere Möglichkeiten abzuge»
Winnen. Sie haben eine keramische Werkstätte ein-
gerichtet und auch in der Kunsttöpferei schon be-
merkenswerte Erfolge erzielt. Wir sehen Schüsseln,
Zierplatten m't reliefartigem plastischen Dekor, mit ab-
gestuften interessanten Schmelzfarben. Bei einem neuen
und vollständig geglüduen Versuch gelang ihnen eine
bemerkenswerte Veredlung von Terrakotta — die an
terra sigillata gemahnt.

Modelle für Tafelschmuck erinnern an eine oft ge-
übte Tätigkeit der Künstler, bei gegebenen Anlässen —
Ehrungen, Wettbewerben, Festen — Prunk=, Schmud<-
und Ehrengeschenke in kostbarem Material herzu-
stellen. Man kennt die reizvollen dekorativen Werke
dieser Art: das Ehrengeschenk der Stadt an ihren vor-
maligen 1. Bürgermeister Borschr, das anläßlich der
Eröffnung des Deutschen Museums für Oskar v.Miller
gestiftete, das fürdasEhrenmitglieddesKunstgewerbe-

Kunst und Handwerk 1926. 2. Heft'

21
loading ...