Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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DÜLUPEZOLD
Ardiitekturplastik <Haus Kustermann, München}

Vereins Professor Rothmüller ausgeführte, alles Werke
der Kleinplastik, die wie Gelegenheitsgedichte, köst*
lieh in der Erfindung und voll poetischer Wirkung sind.

Sie offenbaren die Phantasie und Erfindungsgabe
des Künstlers und zugleich die geschickte Hand des
Goldschmieds. Ist doch auch Georg Pezold auf diesem
Gebiete besonders bewandert. Als er nochdieMünchner
Kunstgewerbeschule besuchte, arbeitete er zugleich
auch in einer Goldschmiedewerkstätte. Eür seine Ge-
schiddichkeit in der Aneignung verschiedener Tech*
niken, sein Interesse für solche spricht schon die Tat*
sache, daß er, als an ihn eine Aufgabe des Steinschnitts
herantrat, er in einer Münchner Fachschule diese Tech*
nik erlernte — ein ergrauter Meister unter Schülern.
Er weiß auch vortrefflich Bescheid in der Kunst der
Medaille, ihren eigenartigen Erfordernissen, ihrer sach*
gemäßen Behandlung und Formgebung,- was auch
wiederum eng mit den oben erwähnten Geschicklich*
kettender Metalltedinik zusammenhängt. Hier ist viel*
leicht auch der Ort, an die Kleinplastiken von Düll

und Pezold in ihrer hervorragend schönen Ausführung
zu erinnern. Sie pflegten darin eine Spezialität „Tier*
plastik" schon lange vordieses Genre „modern" wurde.
Auf eine weitere Spezialität weist ein feines Wachs*
medaillonbild unseres Künstlers hin, eine intime Haus*
kunst der Skulptur, die schon die Renaissance kannte
und die heute leider fast ganz außer Gebrauch gekom*
men ist. Von ihrer großformatigen Kunst der Stein*
plastik kann man nicht sprechen, ohne nicht sogleich
auch ihres Zusammenhangs mit vielen Bauten, öffent*
liehen Gebäuden, Anlagen, Brunnen im Münchner
Stadtbild zu gedenken.Ein kurzer Rückblick auf diese er*
folgreiche Tätigkeit unserer Künstler zeigt, daß sie einen
starken Anteil an dieser Art Schmuck unseres Stadt*
bildes haben. Ihr aufstrebendes Schaffen fiel auch gerade
in die Zeit, als mit Prinzregent Luitpold, dem Künstler*
freund, ein erhöhtes Interesse und ein neuer Rhythmus
imMünchnerStadtbild einsetzte, die insbesondere Archi*
tektur, Kunstgewerbe und Plastik in Schwung brachten.
Damals <1896>, errangen unsere Künstler auch ihren

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