Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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BUCHERBESPRECHUNGEN.

Fritz Schlienkamp, Der Kreislauf geistiger Tätigkeit
und das Zeichnen als Unterrichtsprinzip (11. Band der
Handbücherei der Erziehungswissenschaft. Verl. Ferd. Schös
ningh, Paderborn. Kart. Mk. 3.30.) Das Buch ist aus der Abs
haltung von Kursen hervorgegangen, die der westfälische
Verein für werktätige Erziehung 1911 zur Einführung in das
Arbeitsprinzip abhalten ließ, entsprang also der Lehrpraxis.
Der Verfasser geht von dem anschaulichen Schema vom
„Kreislauf geistiger Tätigkeit" aus, und kann damit, auch
wenn man an dem Schema vielleicht manche Kritik üben
könnte, dem Lernenden unbedingt eine klare Vorstellung
der Zusammenhänge vermitteln. Insbesondere wird ein Vers
ständnis für die neuzeitliche Erziehungsmethode geschaffen.
Der graphische Teil wendet sich hauptsächlich dem Zeichnen
als Unterrichtsmittel zu und gilt aus Erfahrung gewonnener
Anleitungen. Dabei kommt weniger das künstlerische Zeich»
nen, um so mehr der pädagogische Zweck auf seine Rechnung.
Ein LiteratursNachweis und eine Reihe graphischer Darstels
lungen und Erläuterungen beschließen das Buch, das über
den engeren Rahmen des Themas hinaus reich ist an An*
regungen aller Art.

Emerich SchafFran, Entwicklungsgeschichte der Stile
in der bildenden Kunst. (A. Hartlebens Verlag, Wien und
Leipzig 1925, 292 S. und 75 Tafeln, Gm. 8.50.) Diese dankess
werte Aibeit behandelt in abgerundeter systematischer Weise
die einzelnen Stil-Epochen an Hand deutscher und östers
reichischer Bauten und Kunstwerke. Da der Verfasser nicht
nur als Maler, sondern auch als Lehrer und Kunsthistoriker
auf langjähriges Wirken zurückblickt, so kommen ihm seine

Erfahrungen für Befriedigung vielseitiger Ansprüche zu
Hilfe. In erster Linie ist das Buch aber für den Kunstliebs
haber geschrieben, der hier reiche Aufklärung und Anres
gungfindet. Besonders wird er den umfangreichen und wohls
geordneten LiteratursNachweis begrüßen. Die sehr klaren
und mit knappen Erläuterungen versehenen Abbildungen
sind geschickt ausgewählt und veranschaulichen wirksam
und verständlich den Gang der Entwicklung.

Rieh. Braungart, Der Münchener Landschaftss und
Pferdemaler Ludw. Hartmann. (BayerlandsVerlag, Müns
chen, 6 färb., 40 schw. Tafeln, 35 Abb. Geb. Mk. 9.—.) Ein
Stück Kunstschaffen aus Münchens guter alter Zeit ersteht
hier vor dem Leser und der Verfasser versteht es wie kaum
einer, auch in heutiger Zeit dafür Interesse zu erwecken.
Schon die einleitenden Worte, die sich mit der Frage auss
einandersetzen, inwieweit Rückblicke ihre gute Berechtigung
haben, auch über die Naturtreue der Malerei im Lauf der
Geschichte sich verbreiten, sind unbedingt bemerkenswert.
Die Einfügung des Künstlers Hartmann in die Entwicklung,
wobei Beziehungen zu Peter Heß, Joh. Adam Klein, Heinr.
Bürkel und anderen aufgezeigt werden, sein Werdegang, der
ihn zu einem völlig Eigenen werden ließ, führen uns an
Hand einer Reihe trefflicher, zum Teil farbiger Abbildungen
durch ein Künstlerleben und sSchaffen von besonderer Art
Das kaum zu übertreffende zeichnerische Können, das vor
allem bei Skizzen hervortritt, aber auch die Beherrschung
der Farbe, die aus den Bildern spricht, machen das Buch für
jeden wertvoll, der sein Augenmerk nicht ausschließlich auf
die allerjüngste Kunst beschränken will.

AUS DEM LEBEN DES VEREINS.

Veranstaltungen. Am 27. April f. nd die Lehrlingsfreis
sprechung in der üblichen Weise statt. Der 2. Vorstand, Herr
Landesgewerberat Lcipfinger, begrüßte die Anwesenden und
richtete an die 30 Lehrlinge, die wieder Herr Hofgoldschmied
Heiden in den Saal geleitete, beherzigenswerte Worte. Nas
mens der Staatsregierung sprach dann Herr Min.sRat Keller,
für die Stadtgemeinde Herr Schulrat Dozier, für die Hands
werkskammer Herr Dr. Müller. Mit dieser Lehrlingsfrei;
sprechung vollendete Herr Heiden eine 25jährige hingebende
und erfolgreiche Tätigkeit im Lehrlingswesen, für die ihm
der Verein und die vielen tüchtigen Kunsthandwerker, die
durch seine Hand gegangen sind, allezeit aufrichtigen Dank
wissen werden. Ein lustiges Spiel, das die Gesellen des Vors
jahres zur Aufführung brachten und heitere Vorträge des
Hrn. Steinicken taten das ihre zur Verschönerung des Abends.

Am 4. Mai vereinigte eine wirtschaftliche Besprechung
zahlreiche Mitglieder im Vereinssaale. Neben Darlegungen
über die allgemeine Wirtschaftslage und die besonderen Vers
hältnisse auf dem Kunstgewerbemarkt kam eine Reihe von
Punkten zur Sprache, die sich auf eine zweckmäßigere Eins
Stellung der kunstgewerblichen Produktion bezogen. In der
heutigen Zeit ist es nötiger als je auf die geringe Nachfrage
Rücksicht zu nehmen und statt unverkäuflicher Dinge solche

herzus'ellen, die nachweislich verlangt werden. Der Verein
steht dabei seinen Mitgliedern mit Rat und Auskunft zur
Seite. Auch darf die Preisberechnung nicht auf die Sei bsts
kosten aufbauen, sie muß vielmehr von dem erreichbaren
Verkaufspreis ausgehen und von da aus rückbauend fests
stellen, wie hoch die Seibitkosten sein dürfen, wenn nicht
zwecklos gearbeitet werden soll. In der Aussprache wurde
mit Recht dagegen Stellung genommen, daß die de-zeitige
Notlage einen Teil der Presse dazu veranlaßt habe, in hies
sigen Zeitungen über das Schlagwort vom , Niedergang
Münchens" zu diskutieren. Genützt wird damit gewiß nichts,
doch entsteht das beschämende Schauspiel, daß eine Stadt
von Münchens Rang zur Freude ihrer Neider sich vor der
Öffentlichkeit bloßstellt. Nicht ungeschickte Debatten, sons
dem nur Arbeit kann helfen.

In der ersten Hälfte Juni ist ein Sommerfest mit Tanz
in Aussicht genommen, worüber noch Mitteilung durch die
Tageszeitungen und durch Anschlag an der Ausstellungs»
halle erfolgen wird.

Bayerisches Kunstgewerbe auf der Leipziger Messe.
Im Neubau des Grassi»Museums- der anläßlich der Frühjahrss
messe 1927 erstmals bezogen werden wird, ist für das bayes

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