Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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MEDAILLEN VON KARL ROTH MÜNCHEN

Karl Roth, ein junger Münchener Bildhauer,
von dem wir im letzten Heft Entwürfe für einen
Tafelschmuck (die vier Elemente) bringen konnten,
wendet eine besondere Liebe an die Pflege der Pia*
kette und der Medaille.

Geboren 1900, lernte er 6 Jahre bei Wadere an
der Staatlichen Kunstgewerbeschule, von Dasio
wurde er im besonderen in die Kunst der Medaille
eingeführt, gegenwärtig ist er Schüler von H. Hahn
an der Münchener Akademie.

Die Arbeiten Karl Roths lassen erkennen, welch
hohes Niveau schon in verhältnismäßig jungen
Jahren erreicht werden kann, wenn durch folge*
richtige und ausdauernde Schulung überflüssige
Umwege erspart und aussichtslose Versuche ver*
mieden werden.

Die Kunst der Medaille hat ihre eigenen Gesetze,
die wohl beachtet sein wollen. Die Medaille ist auf
intime und nahe Betrachtung gearbeitet. Sie muß
gut und bequem in der Hand liegen, sie darf nicht
kratzen und ihr Schwerpunkt soll in der Mitte sein.
Ungemein wichtig ist die gleichmäßige Reduk*
tion des Vollplastischen aufs Flachrelief. Wenn
schon der im Volumen eines Kopfes bedeutende

Abstand vom Backenknochen zur Nase außeror*
dentlich gemindert ist, wie viel mehr muß ein an
sich schon geringer Tiefenunterschied, wie der vom
Ohr zum Backenknochen auf ein Minimum zurück*
geführt sein, damit die einheitliche Reliefwirkung
nicht gefährdet werden soll.

Neben diesen für das Gelingen der Medaille
wichtigen Anpassung der plastischen Wiedergabe
an den Stil des Flachreliefs gewinnt die Flächen*
Verteilung höchste Bedeutung: das Verhältnis der
plastischen Füllung zur leeren Fläche, die Anpas*
sung der Linienführung an die runde oder eckige
Form der Medaille oder Plakette, das Verhältnis
der Füllung zur Schrift. Die am Rand umlaufende
Schrift wirkt als Ornamentband und als Grenz*
Setzung. Sehr wichtig ist es, den im Verhältnis zum
Flachrelief der Medaille richtig bemessenen Stärke*
grad der Schrift zu finden. Das Ganze muß als
Ganzes erlebt sein. Im einzelnen gibt es noch man*
chen Kunstgriff, das Werk zu beleben und reizvoll
zu differenzieren, z. B. die Möglichkeit, wichtige
Partien wie das Gesicht nachzuziselieren, so zu glät*
ten und glänzend zu machen, während das übrige
matt gelassen wird. Das wären ganz allgemeine
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