Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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MARSCHIERENDE KRIEGER

RELIEF VON KARL KNAPPE

Man weiß, in welch kühner, neuartiger und durch-
aus persönlicher Weise Karl Knappe die Aufgabe des
bildnerischen Schmucks am Münchner Kriegerdenk-
mal gelöst hat. Um die Wirkung der großen, monu-
mentalen Flächen des wuchtigen, breitgelagerten wür-
felförmigen Blockes, das heißt also des Bauwerkes, das
mit seiner dunkelnden Krypta die unvergleichlich treu-
liche Figur des entschlafenen, in Gott entschlafenen,
Kriegers von Bleeker birgt, voll zur Geltung gelangen
zu lassen, hat er das Wesen des plastischen Schmuckes
verändert, zur einzig nur dienenden Angleichung ge-
zwungen. So sind jene herben Cherubgestalten als kau-
ernde Wächter des Grabes und als Symbole des uner-
schütterten Auferstehungsglaubens nach Art des alten
ägyptischen Hochreliefs eigentlich nur malerische Be-
lebung der raumabschließenden Mauern. So veran-

schaulichen sie das unbestimmt Schwebende, das visio-
när Entgleitende ätherischer Wesen. Nun galt es be-
kanntlich der weiteren Forderung, auch die Tausende
von Namen der für ihr Vaterland gefallenen Helden-
söhne der Stadt München in würdiger Weise anzu-
bringen, künstlerische Gewährung zu schenken. Auch
hier solltenBilder inForm von einfachemReliefschmuck
der eindrucksvollen Prägung der Schriftzeichen wir-
kungsvolle Folie oder ausdeutende Illustrierung ver-
leihen. Statt vieler beschreibenderWorte bringen wir,
mit dem Bedauern, uns auf einen Ausschnitt aus dem
Ganzen beschränken zu müssen, das oben abgebildete
Relief. Mag diese Technik im Sinne der Forderung des
strengenRelief s nicht eigentlich plastisch, sondern, auch
mit seinem Spiel von Licht und Schatten, von Fläche
und Hohlraum, eher rein malerisch wirken: Niemand

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