Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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DÜLL=PEZOLD-SCHAMBECK

KERAMIKEN

bogig gewölbte Plafonds wie Wände in reinemWeiß.
An den Wänden gelegentlich ein Spiegel, ein Kupfer-
stich in schmalem, schwarzen Rahmen. Die Gasträume
<Abb. S. 30) äußerst schlicht, behagliche, doch geräumige
Stuben, die rechteckigen Fenster glatt in die weiße
Wand geschnitten. Mit der weißen Wand kontrastiert
in tiefem, satten Braun die Vertäfelung unten und die
Holzdecke oben. Ungemein intim und gemütlich wirkt
die Trinkstube in dem Verbindungsbau zwischen 1 urm
und Neubau. Das groß gesehene Gemälde von Berg-
mann setzt sicher den nötigen starken farbigen Ak-
zent. E in eigener Eingang vom Innern der Stadtmauer

aus sichert der Trinkstube verschwiegenen Zugang.
Der eigentliche Festraum des Hauses ist der Theater-
saal im 2. Obergeschoß (Abb. S. 31). Es ist sehr ge-
schickt wie der mittlere überhöhte Teil dieses Saales
in die Dachzone hinaufreicht.

Die große Klarheit der räumlichen Konzeption, die
das Wesen des Baues ausmacht, gibt auch hier den
Grundton an. Der Zwedc des Saales der Muse und
zwar vorwiegend der heiteren zu dienen, läßt ein
Übriges an fröhlichem Schmudc gewähren. Die Stuk*
katuren von Kroher, diskret verteilt, atmen zierliches,
beschwingtes Leben. Hans Kiener.

NEUE MUNCHENER ARBEITEN.

Anläßlich eines Wettbewerbs in engerem Kreise ent-
standen Entwürfe für einen Tafelschmud^ als dessen
Hauptwerkstoff Silber festgesetzt war. Die Jury setzte
sich aus den Herren Geheimrat Bestelmeyer, Landes-
gewerberat Leipfinger, Prof. Ed. Pfeiffer, Prof. Roth-
müller, Prof. Sattler, Fachoberlehrer Schneider, Prof.
Wackerle zusammen.

Von den eingelaufenen Entwürfen wurden in erster
Linie die vier Elemente von Carl Roth, ferner die Ent-
würfe „Silber" und „Traube" von Richard Klein, end-
lieh das Mittelstüd< „Alte Zeit" und zwei Schalen,
„Baukunst und Gärtnerei" von Mauritius Pfeiffer
empfohlen. Wir bringen die Abbildungen der Modelle.
Eine ganz vorzügliche Lösung stellten die phantasier
vollen Kompositionen von Carl Roth dar, einem jungen
in München noch kaum bekannten Künstler (Schüler
von Dasio und Hahn), über dessen Medaillen wir im
nächsten Heft berichten werden. Diese Entwürfe bieten

ausgezeichnete metalltechnische Möglichkeiten, tragen
auch in ihrer durchsichtigen Anordnung der Forderung
Rechnung, daß ein Tafelschmudc nicht als Wand die
Gegenübersitzenden trennen soll. Richard Klein bringt
als Mittelstück eine in Idee und Plastik treffliche
Gruppe, zwei mächtigenSeitenstüdcen,Traubenträgern
sollen sich noch weitere, wie Tafelleuchter und niedrig
gehaltene Silberschalen, anreihen. Mauritius Pfeiffer
versinnbildlicht in Prunkschalen, von denen nur zwei
im Modell ausgeführt wurden, verschiedene Berufs-
kreise. Diese Plastiken sollten in Silber getrieben und
durch reichliche Einlagen von Elfenbein belebt werden
z. B. an dem Rankenwerk, aber auch mit reliefartiger
Wirkung an den Wandungen der Schalen, wo fluch-
tige Darstellungen von charakteristischen Bauten vor-
gesehen wurden.

Die Aufgabe, die in heutiger Zeit leider einzig da-
steht, hat einem fast brachliegenden Kunstzweig neue

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