Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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HERMANN HAHN

E R I N N E R U N G S P L A K E T T E AN DIE SÖHNE
DES P R 1 N Z E N P H I L I P P V O N HESS E N

Im Krieg ist die Sitte aufgelebt, das Andenken be-
deutsamer Persönlichkeiten durch Medaillen zu ehren.
Gewiß eine hohe Absicht, angesichts der Vergänglich-
keit alles Lebens sich der ausdauernden Kraft des Erzes
zu versichern und den höheren Begriff von Ruhm, den
das Zeitalter eines stürmischen Wagemutes erzeugte,
dem Bewußtsein der Nachwelt zu übermitteln. In den
Kriegsmedaillen spiegelt sich eine Fülle von mensch-
lichem Gefühlsleben, herber Schmerz und leidenschaft-
liches Triumphgefühl, die Schauer des Massenhaften
und ein heldenhafter Höchstwert des einzelnen. Was
Hahn uns mit seiner Plakette geschenkt hat, ist mehr
und anderes als dies: keine Medaille, nichts Nament-
liches, sondern ein Weihgeschenk der Kunst an der
Gruft eines Mannes, der die Blüte und das edelste Blut
seiner Nation verkörperte. Dem entspricht es, wenn
das Werk auf einen so stillen, klassischen, erhöht-

menschlichen Ton gestimmt ist. Keine Klage, keine
Erzählung, kaum daß durch das Dornengehege imVor-
dergrund an die Qnal unzähliger Krieger erinnert wird.
Alles Weitere hat sich in die Darstellung reiner Schön-
heit umgesetzt, die aus meisterhafter Beherrschung des
Formalen gewonnen ist. Schon das Format ist unge-
wöhnlich, ein sattes, schweres Breitoval, und in dieses
ordnen sich zwei Pferde- und zwei Manneskörper,
ungemein sicher hingesetzt, nur leise unterschieden
nachTemperament und wohllautenderEntfaltung ihrer
Gliedmaßen: der stehende und der sitzende Mensch,
das erregte und das zahmgehorchende Roß, Nacktheit
und volle Rundung. Kaum möglich, die Erzählung
noch weiter zu dämpfen. Wir stehen da an einem
Punkt künstlerischen Vermögens, wo das Klassische in
das Ewige hinausweist. Aus diesem Bestreben wird
man es dann auch begreifen, wenn.dem Mimischen,

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