Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

Seite: 113
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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL VON LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

wien
Heugasse 58.

berlin sw.
Yorkstraße 20.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartensta. 15. Berlin: W H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VIII. Jahrgang.

1896/97.

Nr. 8. 17. Dezember.

Die Kunstebronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
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DER JAHRESBERICHT
DES BRITISCHEN MUSEUMS.

Ausgrabungen und Entdeckungen.

Das Britische Museum hat seinen Jahresbericht,
schließend mit dem 31. März 1896, kürzlich veröffentlicht,
und es werden aus diesen Mitteilungen vielerlei interessante
Thatsachen ersichtlich. Es besuchten die Sammlungen
des Instituts im vergangenen Jahre 542 428 Personen.
Außerdem wurde die Lesehalle von 194 924 Personen
benutzt und diesen 1 405 866 Bände verabfolgt. Der
sogenannte „Goldsaal", in welchem die antiken und
kunstvollen Wertgegenstände untergebracht sind, wurde
gänzlich der Besichtigung unter Fortfall der bisherigen
lästigen Beschränkungen freigegeben, sowie die Gemmen-
Sammlung neu geordnet. Sir A. Wollaston Franks hat
ferner durch eine Leihausstellung der bezüglichen Kunst-
objekte aus seinem Privatbesitz die Lücken der öffent-
lichen Sammlung sehr sachgemäß ergänzt.

Die für das Britische Museum in Cypern, von Dr.
S. A. Murray, dem Vorsteher der griechischen und
römischen Antiquitäten, begonnenen Ausgrabungen wurden
von Arthur Smith fortgeführt. • Bei der Durchforschung
der Begräbnisstätten in der Nähe von Enkomi wurden
Goldfunde aller Art gemacht, die aus der Mykenae-Epoche
stammen, und denen ähnlich sind, die Herodot V, 87 ge-
legentlich einer Schlacht zwischen Athen und Ägina er-
wähnt. Ferner kunstvolle Elfenbeinschnitzereien, ähnlich
denen, die der berühmte assyrische Forscher. Sir H. Layard
in Nimrud entdeckte, und deren Alter er in das Jahr
800 —750 v. Chr. setzte. Die Elfenbeinschnitzereien
tragen Spuren von Bemalung, ein Umstand, der umso
interessanter ist, weil in einer Strophe des Homer ge-
sagt wird, dass die dortigen Frauen sich mit der Be-
malung von Elfenbein beschäftigten. Im Allgemeinen

kann behauptet werden: je mehr Cypern durchforscht
wird, desto mehr stellt es sich heraus, dass die ersten
nennenswerten Anfänge der Kunst daselbst eine Ver-
schmelzung von phönikischen, ägyptischen und assyrischen
Typen zeigen, und dass diese drei Kunstrichtungen ur-
sprünglich heftig um den Vorrang stritten, da sie eine
auf der Insel selbständig ausgeprägte Kunstform nicht
vorfanden. Der veredelnde Einfluss Griechenlands wird
erst in viel späteren Perioden erkennbar.

Die Londoner „Hellenistische Gesellschaft" hielt vor
kurzem ihre übliche Jahressitzung ab, in welcher Mr.
John Morley präsidirte und über das archäologische
Institut in Athen berichtete. Mr. Cecil Smith vom
Britischen Museum und Direktor des englischen archäo-
logischen Instituts in Athen hat: sich mit den andern
korrespondirenden Gesellschaften daselbst in engste Ver-
bindung gesetzt, um eine archäologische Universität zu
gründen. Auf sein Anraten wurden zunächst die Aus-
grabungen an vier Stellen auf der Insel Melos begonnen
und zwar: 1. in Klima, an der Küste, unterhalb der
alten Stadt Melos; 2. in Trypeti, einem Dorfe oberhalb
der Stadt; hier wurden in Gräbern aus dem 6. Jahr-
hundert v. Chr. sehr schöne Silber- und Goldornamente
aller Art gefunden; 3. in der Nähe von Klima, in
Tramythia, woselbst ein Mosaik ersten Ranges frei-
gelegt wurde; 4. entdeckte man in Phylakopis Über-
reste einer Mykenäischen Stadt. Außerdem aber stellte
Mr. Cecil Smith in Athen selbst Untersuchungen an.
Derselbe betont hierbei besonders die Dienste des Pro-
fessors Dörpfeld, der durch seine unvergleichlichen Kennt-
nisse der Topographie Athens und durch seine betreffen-
den Erfahrungen dem obigen Unternehmen außerordent-
liche Hilfe leistete. Professor Dörpfeld war der Ansicht,
dass in der Nähe eines bestimmten Grundstücks, auf
dem gegenüber liegenden Ufer des llissos, das Gymnasium
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