Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Ausgrabungen und Funde. — Zeitschriften. — Anzeigen.

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trügt jetzt 1628. Professor Hanns Fechner hat ein hübsches
Kunstblatt hergestellt, das der Gewinnung neuer Mitglieder
in weitesten Kreisen dienen soll. Angekauft wurden in diesem
Jahre 25 Kunstwerke und 250 Mappen des Porträtwerkes mit
den Bildnissen von Gustav Richter (Kupferstich von Albert
Krüger), von Helmholtz nach Lenbach und von Moltke auf
dem Sterbebette nach Graf Harrach (Schabkunstblätter von
Börner). Es wurden insgesamt zehn kunstwissenschaftliche
Vorträge in den Museen und im Architektenhause gehalten.
Vom Landschaftsmaler Richard Eschke war angeregt wor-
den, Atelierbesuche nach Pariser Vorbild einzuführen. Den
Bemühungen des Vorstandes gelang es, 93 Künstler zu ge-
winnen, welche sich bereit erklärten, die Mitglieder zu be-
stimmten Zeiten zu empfangen. Die Einrichtung hat sich
jedoch nicht als lebensfähig erwiesen. Besonderer Dank
wurde der Presse für ihr Wohlwollen ausgedrückt. Den
Kassenbericht erstattete Bankier Kretzschmar. Es sei daraus
hervorgehoben, dass einschließlich des letztjährigen Kassen-
bestandes von 10580 M. im ganzen 40780 M. vereinnahmt
und 34672 M. ausgegeben wurden, so dass eine Summe von
6008 M. vorhanden ist. Nach der Entlastung wurden die
ausgelosten Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Auf eine
Anfrage aus der Versammlung bezeichnete der Vorsitzende
es als sehr envünscht, wenn aus den Kreisen der Mitglieder
Vorschläge zum Ankauf von Werken und sonstige Anregungen
an den Vorstand gelangten. Nach dem Voranschlag für
1897 sind 24000 M. zum Ankauf von Werken in Aussicht
genommen. Dem Vorstande wurde für seine Mühewaltung
und thatkräftige Leitung Dank ausgesprochen.

Born. — Kais, deutsches archäologisches Institut. In
der Eröffnungssitzung zum Gedächtnis Winckelmann's, die
unter der gewohnten zahlreichen Beteiligung am 11. Dezember
stattfand, widmete zunächst der erste Sekretär, Prof. Petersen,
den verstorbenen Mitgliedern und Förderern des Instituts Ca-
vallari, E. Curtius, F. Dümmler, K. Hamann und Baron Platner
warme Worte der Erinnerung. — Hierauf besprach Mau die so-
genannte Kurie von Pompeji. Mau rekonstruirt dieselbe als
einen unbedeckten Hauptraum mit Altar in der Mitte, an
den sich rückwärts eine Apsis, zu beiden Seiten vorn je eine
viereckige Kapelle mit Säulenfront, weiterhin eine kleine
Nische für Statuen anlegen, und vermutet in dem Ganzen
das städtische Lararium mit den Statuen des Genius des
Kaisers zwischen zwei Laren in der Apsis. — Geistreich
sprach sodann Lumbroso unter Vorführung einer ägyptischen
Novelle über die Ausführung der Augen der Sphinx von
Gizeh über die auf der verschiedenen Stellung der Frau im
Leben berühmte Verschiedenheit des weiblichen Modells
griechischer und ägyptischer Künstler. — Den Schlussvortrag
hielt Petersen über das Monument von Adam-Klissi, in dem
er, entgegen der jüngst geäußerten Ansicht Furtwängler's,
aufs Neue für die Zuweisung des Denkmals an Trajan ein-
trat, e. 1.

AUSGRABUNGEN UND FUNDE.

London. — Archäologische Funde. Aus Griechenland
kommt die Kunde eines wichtigen Fundes, der jedenfalls zu
dem hier kürzlich besprochenen interessanten Gegenstande:
„Wie stellte .Phidias die Athena Promachos dar?" in näherer
Beziehung steht, wenn gleich es sich um „Athena Parthenos"
an dieser Stelle handelt. Wie erinnerlich leitet Mr. Cecil
Smith im Auftrage des Britisch-Museum und als Direktor
des englischen archäologischen Instituts in Athen die be-
züglichen antiquarischen Ausgrabungen und Untersuchungen
in Griechenland. Eine Serie alter griechischer Uberreste
wurde ganz kürzlich auf einem der Hauptplätze von Patras
entdeckt. So namentlich ein schöner Mosaikfußboden und
Marmorskulpturen. Letztere untersuchte Mr. Cecil Smith und
fand unter denselben zu seiner Überraschung den Torso und
wesentliche Bruchstücke einer Statuette, die unzweifelhaft
eine Kopie der Athena Parthenos des Phidias darstellt. Von
dem Schild fehlt über die Hälfte, aber der Rest zeigt einen
Teil der bekannten Kampfesscenen, von denen wir beglaubigt
wissen, dass sie das Original schmückten. Pausanias und
Plinius sprechen ausführlich über den Gegenstand. Mr. Cecil
Smith identifizirte die gefundene Figur mit der „Lenormant-
Statuette" und der „Strangford-Statue" im Britisch-Museum.
Der Entdecker ist nur der Ansicht, dass der neueste Fund das
Original weit besser würdigen lässt als alle andern bisher be-
kannten Statuen, da die Ausführung in jeder Beziehung die
denkbar sorgfältigste ist. Selbstverständlich werden die größten
Anstrengungen gemacht, um, soweit es irgend möglich ist,
fehlende Teile zu finden, die zur Vervollständigung der Gesamt-
figur erforderlich sind. Werden diese Bemühungen von Erfolg
gekrönt, so werden gewiss in dieser Hinsicht noch schwebende
Fragen gelöst werden können. Am wesentlichsten wäre es
natürlich, wenn es gelingen sollte, den Kopf aus den Bruch-
stücken zu rekonstruiren. Da der Kopist, nach dem Urteil des Mr.
Cecil Smith, ein sehr bedeutender Künstler gewesen sein muss,
so sind wir nach' der Ansicht des bezüglichen Archäologen
dem Original des Phidias einen merklichen Schritt näher
gerückt. Der Gesichtsausdruck aber vermöchte allein die
Basis zur Feststellung darüber abgeben, ob der Verfertiger
der Statue direkt vom Original kopirte, d. h. ob er den rund-
lichen, volleren Gesichtstypus zur Geltung brachte, oder ob
er einer späteren Schule angehörte, welche den Kopf läng-
licher und schmaler mit schärfer geschnittenem Gesicht schuf.

v. SCHLEINITZ.

ZEITSCHRIFTEN.

Zeitschrift des bayerischen Kunst-Gewerbe-Vereins in
München. Jahrgang 1896. Heft 11.

Charakteristik des „Rubensstiles" (des belgischen Barocks) in der
dekorativen Skulptur. Von Prof. Dr. Hans Semper. — Örtliche Be-
sonderheiten in älteren. Tischlerarbeiten. Von Prof. Dr. Albrecht
Haupt-Hannover. — Über Silberarbeiten. — Nordisches Kunst-
gewerbe und die Ausstellung in Malmö. (Schluss.) Von Adolf
Beulme. — Schweizerischer Filigranschmuck.

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