Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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mit Magnolien und Päonien, von Lü Ki, datirt 1497, von
guter dekorativer Wirkung. — Schrank 369: das Haupt-
blatt ist hier Nr. 22 fax Karpfen, von Tang Yin,datirt 1508;
der große, weich und doch bestimmt gemalte E'isch, der
sich in seiner zarten rosa Färbung angenehm von dem
feinen Grau des Wassers abhebt, ist vortrefflich lebendig
in der Bewegung dargestellt. Nr. 23 die vier Figuren-
darstellungen und Nr. 24 die Amazone nach demselben
Maler treten dagegen naturgemäß zurück. — Nr. 27
der Makimono mit den Sieben Weisen auf fröhlicher
Wanderschaft gehört, wie es scheint, als Nachahmung
nach einem Vorbilde aus der Sung-Periode (s. oben) noch
zu dieser. — Im großen Mittelschrank, gegenüber, Nr. 25
das Bildnis einer Dame, etwas manierirt aber gefällig,
und Nr. 26 eine Darstellung von Bambus- und Pfirsich-
zweigen, von ganz guter dekorativer Wirkung, beide
nach dem bereits genannten Tang Yin.

Die vierte Ecke, Schrank 362, enthält oben Nr. 30
den nur teilweise aufgerollten Makimono einer Geister-
versammlung auf der Feeninsel im Großen See, nach
Tschou Schi-fu (16. Jahrhundert), ein Hauptblatt der
Sammlung, das man wegen der Feinheit und Lebendig-
keit seiner zahlreichen kleinen Figuren für ein Original
halten könnte, wenn nur die Bäume besser geraten wären.
Nr. 31 die kleine, nur leicht getönte Landschaft mit
dem vorn sitzenden musizirenden Mann, zu dein ein
anderer über eine Brücke herankommt, von demselben
Meister, lässt besser als alle die großen, rohen Kopieen
nach phantastischen Bergkompositionen ahnen, welchen
Beiz die Chinesen bei sauberster Durchführung in solche
Naturaufnahmen zu legen wussten. Aus den übrigen
Blättern desselben Meisters seien noch Nr. 32 die im
Theegarten fischenden Damen, Nr. 36 der Eselreiter und
Nr. 37 (in Schrank 363) das große Bildnis einer Dame,
die eine Vase hält, hervorgehoben. — In Schrank 363
sind noch bemerkenswert Nr. 39 die beiden flott be-
handelten Tnschzeichnungen von TschönSchon: Schwalben
und eine Krabbe (datirt 1542), sowie namentlich Nr. 41
der Weise Kin Kan auf einem Karpfen reitend, eine
vortreffliche Kopie des 19. Jahrhunderts nach Sü We'i
(1521—93), worin die lebhafte Färbung des Bosa am
Fisch und das Himmelblau an der Kleidung des Weisen
vortrefflich mit der flockigen Bohandlungsweise zusammen-
stimmen.

Der nächststehende Mittelschrank 380 führt uns in
das 17. Jahrhundert hinein. Neben Nr. 42, dem kleinen
getuschten Blumen-Stillleben von 1679 des Mönches
Tau-tsi, fordert da namentlich das große Blatt Nr. 44
Hausmusik, von Tsai Tsö (um 1644) Beachtung. In
drei Plänen übereinander ist da zu oberst ein vor-
nehmer sitzender Mann mit dem Wedel, hinter sich
einen Diener, dargestellt, der sich von einem tiefer
sitzenden Mann etwas auf der Mandoline vorspielen lässt,
während vorn drei Diener an einem mit Erfrischungen
besetzten Tisch beschäftigt sind. Das alles ist in breiter

und klarer Weise vorgetragen. — Die Schrankseite 383
enthält in Nr. 45 eines der anmutigsten Blätter der
Sammlung, eine junge lesende Dame mit ihrer Dienerin;
von Tschön Hung-schöu (1599—1652). Hat auch das
Blatt, namentlich in den Farben, sehr gelitten, so ver-
mag es doch durch seine zarte Zeichnung noch den vollen
Keiz der ästhetischen Empfindung zu vermitteln.

Im nächsten Schrank 379 ist Nr. 49, ein großes
Blumen-Stillleben, Bosen, von Yün Schöu-ping (1633—
1690), von guter dekorativer Wirkung zu erwähnen,
das in die Tsing-Periode (1644 bis zur Gegenwart) über-
führt; an der Schrankseite 376 Nr. 50 zwölf Landschafts-
skizzen nach alten Meistern, die geeignet sind, von der
verschwommenen Landschafts-Auffassung der Chinesen
einen Begriff zu geben; von demselben Künstler 1653
gefertigt. — Der große Schrank enthält Nr. 53 eine
sorgfältige Tuschmalerei der Malerin Yün Ping von
1708, Fische und Meergewächse darstellend; Nr. 54 von
derselben Malerin acht kleine Blätter mit Blumen und
Vögeln auf goldgespronkeltem Grunde; Nr. 57 von einer
anderen Malerin des 17. Jahrhundors, Li Yin, ein sehr
malerisch behandeltes Stillleben mit Sumpfpflanzen; end-
lich Nr. 62 von Huang Schön, aus dem Anfang des
18. Jahrhunderts, die große, breit in Tusch dargestellte
Figur eines alten Mannes.

In der mittleren Abteilung des Nebensaales rechts
an Schrank 350 Nr. 63 eine ähnliche Malerei desselben
Künstlers, von 1726 datirt, ein sitzender alter Mann,
der sich auf seinen Stab stützt; daneben Nr. 66 eine
vornehme Dame mit Schirmträgerin, große bunte Malerei,
wohl Kopie nach Long Me'i (Anfang des 18. Jahrhunderts),
durch die schwungvolle Haltung an gotische Malereien
erinnernd. — Im Fensterpult Nr. 65 ein Holzschnittbuch
von Tsiau Ping-tschön, der zu Anfang des 18. Jahr-
hunderts Direktor im Astronomischen Institut des Kaisers
Kang-hi war; die zwei Bände farbloser Illustrationen,
unter dem Titel Köng-tschi-tu, stellen Scenen des Acker-
baus und der Weberei dar, wobei die Figuren nicht übel
in die mannigfaltig gestaltete Landschaft hineingestellt
sind. Daneben Nr. 73 acht saubere kleine Darstellungen,
zumeist von Kindern, von Wang Yün (18. Jahrhundert).
— Im Schrank 352 Nr. 68—70 drei gute Bilder von
Hua Yen (Mitte des 18. Jahrhunderts), zwei häusliche
Scenen, fein, sorgfältig, weich in Tusch ausgeführt und
recht lebendig im Ausdruck, sowie eine junge Dame mit
Schlagzither darstellend, die im Gehen von hinten ge-
sehen wird, alle mit durchaus kalligraphischer rundlicher
Faltengebung. — Im Schrank 353 Nr. 71 und 72 ein
Blumenstillleben von 1764 und eine flotte Malerei, beide
von Tsöu I-kui. — Der obere Teil dieser Schränke wird
durch eine Beihe ziemlich roher Kopieen nach Land-
schaften aus dem Jahre 1687 (Nr. 74) eingenommen.

Die weitere Abteilung rechts führt uns in die Gegen-
wart. Schrank 354 Nr. 75 Enten im Schilf, weich und
leicht gemalt; Nr. 76 ein vornehmer Mann, der einen
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