Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Nekrologe.

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werken nicht vorkommen; ein guter Meister sollte das
nicht dulden, dass er sein Werk, auf das er all sein
durch Erfahrung und Studium erworbenes Können kon-
zentrirt hat, das er in jeder Beziehung, in Kompo-
sition, Zeichnung, Beleuchtung, Stimmung vollwertig
geschaffen, in das er sich mit dem ganzen durchdringen-
den Empfinden seiner Künstlerseele eingelebt hat, schließ-
lich mit einer Geschmacklosigkeit beendigt. — Der
Eahmen ist das Kleid des Bildes. Es könnte mancher
Künstler in der obenbezeichneten Hinsicht von unseren
Damen lernen, die ja meist immerhin einen natürlichen
Geschmack bekunden; mindestens weiß jede, welche
Form und Farbe der Kleidung ihr am besten steht.

Da ist vor allem der allgemein gebräuchliche Gold-
rahmen ins Auge zu fassen. Das Gold ist ja deshalb,
weil es als neutraler Ton zu jedem farbigen Bilde steht,
zu schätzen; und dadurch, dass es etwas Reiches hat
und dem Bilde den Stempel des Vornehmen aufdrückt,
hat es auch zu jeder Zeit den hervorragenden Platz
auf diesem Gebiete zu behaupten gewnsst. Eichtig an-
gewendet, ist es unersetzlich. Aber gerade in der An-
wendung liegt der wunde Punkt.

Da ist ein fein durchgeführtes Interieur. Das
Sonnenlicht fällt durch ein Fenster, und der Maler hat
durch pastoses Auftragen der hellsten Farben die blen-
dende Wirkung des einfallenden Lichtes zu erreichen
gesucht. Ohne Eahmen muss die malerische Stimmung
vorzüglich gewesen sein, jetzt wird die Wirkung des
einfallenden Lichtes durch die in blendender Fülle
strahlende Goldleiste unbarmherzig totgeschlagen; die
Lichter wirken jetzt graugelb, schmutzig. Dieser Tötung
der höchsten Lichter durch das glänzende Gold wird
man am meisten begegnen.

Zu bemerken ist, dass alle vor- und nachstehenden
Ausführungen auf größere Formate viel weniger An-
wendung finden können, weil das Auge da nicht, wie bei
kleineren Bildern, das ganze Gemälde mit dem Eahmen auf
einmal fassen kann, und weil auch der im Verhältnis
zum Bilde meist kleine und schmale Eahmen bei größeren
Gemälden eine störende Wirkung selten ausübt.

Unsere alten Meister haben den Fehler der großen
prunkvollen Eahmen nicht gemacht, wie man unter
anderem auf Gemälden von Teniers u. a., die einen
Mäcen oder Maler in seiner Galerie darstellen, sehen
kann; da sind alle Werke fast ohne Ausnahme in ein-
fache schmale Holz- oder matte Goldleisten gefasst.

Von anderen zu häufig vorkommenden Geschmack-
losigkeiten, z. B. wenn zu einem kleinen, zart ausgeführ-
ten Bildchen ein großer, reicher Goldrahmen genommen
wird, der dazu passt wie die Faust aufs Auge, will ich
gar nicht reden; solche Fehler wird sich ein feinsinniger
Künstler nicht zu Schulden kommen lassen.

Man kann sagen, dass nur zu kontrastreich und
pastos gemalten Bildern helle glänzende Goldrahmen
genommen werden dürfen; alles dagegen, was fein ge-

malt ist oder ein matteres oder dunkleres Motiv dar-
stellt, muss eine ruhige Umrahmung erhalten.

Man hat auch, besonders in neuerer Zeit, Holz,
Metall, Plüsche und andere Stoffe zu Einrahmungen
herangezogen, die sich alle durch ihre stoffliche Neutra-
lität zum Bilde ganz vorzüglich eignen, aber durch
falsche Anwendung wieder zu unverzeihlichen Fehlern
führen; da wird ein hell wirkendes Bild mit einem zu
hellen Eahmen umgeben und wirkt dadurch flau und
wenig ansprechend; ein anderes Mal mit einem zu dunklen,
der das Bild kreidig wirken lässt. Ein angenehmer
Kontrast zwischen dem vorherrschenden Helligkeitston
des Bildes und dem Eahmen ist hier das Eichtige.

Sodann wird mit diesen Stoffen hinsichtlich der
Farbe viel gesündigt. Die Farbe der Umrahmung soll
in keiner größeren Fläche des Bildes vertreten sein,
sondern der Eahmen soll in der Farbe vollständig neu-
tral zu dem Bilde stehen. Am besten in einem an-
genehmen Kontrast.

Man begegnet auch sehr oft mit diesen Stoffen
anderen Geschmacklosigkeiten, so dass z. B. ein Stoff
allein zur Umrahmung genommen wird; das wirkt etwas
langweilig, besonders bei Holz, und im Gegensatz zum
künstlerischen Wert des Bildes zu roh. Eine Verzierung
mit anderen Stoffen ist schon angebracht, und bis zu
einem gewissen Grade, so dass das Bild nicht darunter
leidet, sehr vorteilhaft.

Man wird nicht fehl gehen, wenn man die Fehler,
die in allen vorangeführten Punkten tagtäglich begangen
werden, auf die Bequemlichkeit und vielleicht auch
Billigkeit, die dem Künstler aus der fabrikmäßigen Her-
stellung der Eahmenleisten und deren vorzugsweisen
Anbietung durch deren Vertreter geboten wird, groß-
gezogen worden sind. Ich glaube so weit gehen zu
dürfen, zu behaupten, dass der Künstler die Empfindung,
mit der er sein Bild geschaffen, auch auf die Umrahmung
übertragen soll, indem er das Bild mit dem Eahmen seiner
Empfindung anpasst. Das würde wohl bald eine Ände-
rung auf diesem Gebiete bewirken. In jedem Falle
wird er sich aber folgende Fragen vorlegen müssen:

Verdirbt der Eahmen nicht die Bildwirkung, ist er
zu hell oder zu dunkel, zu monoton, zu plump, zu leb-
haft, zu ärmlich, zu protzig, zu roh im Gegensatz zum
Bild, steht die Farbe neutral zur farbigen Wirkung des
Bildes ? Das beste ist immer ein kräftiger, feiner Kontrast.

P. W.

NEKROLOGE.

G Der Geschichtsmaler Professor August von Heyden ist
in Berlin am 1, Juni wenige Tage vor Vollendung seines
70. Lebensjahres gestorben. Bei der vielseitigen Bedeutung
des Dahingeschiedenen, in dem auch die „Zeitschrift für
bildende Kunst" einen treuen Freund und Mitarbeiter ver-
liert, werden wir sein umfangreiches Lebenswerk in einem
längeren Nekrologe würdigen.

*** Der französische Landschaftsmaler Louis Franpais,
der letzte aus der großen Zeit der französischen Landschafts-
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