Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 20.1909

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DIE AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1Q08







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FESTSAAL IM HAUI'TRESTAURANT VON EMANUEL VON SEIDL

DECKENGEMÄLDE VON LUDWIG HERTERICH

MATERIAL-BEHANDLUNG IM KUNSTGEWERBE

/. Messing und Bronze.

AUF keinem Gebiete des Kunstgewerbes ist die
moderne Bewegung so zurückgeblieben, wie auf
dem der Bronze-Kronleuchterfabrikation. Zwar
gibt es der Fabriken recht viele, auch sind die
Fabriken groß genug: ja, dieselben beschäftigen sogar
zum großen Teil tüchtige Künstler, die auf anderen Ge-
bieten Vorzügliches leisten — warum ist nun gerade in
diesem Bereich des Kunstgewerbes die Entwicklung
zurückgeblieben, in dem Sinne, daß erschrecklich viel
Stilloses fabriziert wird und recht, recht wenig Stilvolles?
Aber fragen wir vielmehr erst, worin die Stillosigkeit
nach unserer Ansicht bestehen soll.

Es ist in der jüngsten Zeit aus verschiedenen Lagern
so und so oft der Ruf gehört worden: wir müssen
mehr Rücksicht auf die Eigenheiten des Materials
nehmen, wir müssen als kunstgewerbliche Künstler
mehr aus dem Geiste des Materials heraus „entwerfen.

Verschiedentlich ist dieser Ruf auch beachtet worden.
Auf dem Gebiete der Teppichwebekunst (z. B. Scherre-
bek), der Kunsttöpferei (z. B. Max Läuger), des Gold-
schmuckes (z. B. Lalique und Wolfers). Am wenigsten
aber haben die Bronzekünstler diesen Ruf beachtet.
Freilich kam noch etwas dazu. Das moderne Kunst-
gewerbe hat sich bisher, wie genugsam betont, wesentlich
flächenhaft und nach der linearen Seite hin entwickelt.
Beim Bronzekronleuchter aber handelt es sich wesentlich
um plastische Wirkungen im Räume. Das Material, Bronze
und vor allem Messing, verträgt eine lineare Behand-
lung am allerwenigsten; nicht die vertiefte Linie, sondern
die glatte Fläche und vor allem der Materialkörper
selbst wirkt beim Messing. Der Fehler bestand darin,
daß man Messing wie Wachs, in das man Ornamente
eindrücken kann, behandelte, nicht aber wie einen
festen Körper, der durch eben seine körperliche Form
und Gestalt, durch die Rundung oder Kantung und
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