Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 20.1909

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ILLUSTRIERTE MUSIKWERKE



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liegenden Werke hoch an, daß es sich bei der Auswahl
der wiederzugebenden Kunstleistungen auf diejenigen be-
schränkt hat, die, wenn auch vielleicht weniger amüsant
und originell, als viele, die in den letzten Jahren Aufsehen,
ja Sensation erregt haben, durch ihre Gediegenheit,
Sachlichkeit und Abrundung gefallen und dank dieser Eigen-
schaften schon typenbildend wirken können. Es ist charak-
teristisch für dieses Werk, daß z. B. die Namen Olbrich
und Pankok, jene rein individuellen Künstler auf dem Ge-

biet der dekorativen Kunst gänzlich fehlen. Ihre Arbeiten
sind nicht für das große Publikum bestimmt und hätten
hier wohl nur Verwirrung gebracht. Sie hätten auch sicher-
lich den Gesamteindruck dieses Buches, dem sich niemand
wird ganz entziehen können, daß nämlich für die wichtig-
sten Aufgaben unserer Wohnung schon wundervolle und
durchaus nachahmenswerte Lösungen vorliegen, arg zer-
stört und es so um einen großen, ja den besten Teil
seiner Wirkung gebracht. e. Z.

ILLUSTRIERTE MUSIKWERKE

NACHFOLGENDE Zeilen suchen einige Resul-
tate festzuhalten, welche in künstlerischer und
kunstgeschichtlicher Beziehung aus der während
des Januars laufenden Jahres im Kunstgewerbemuseum
zu Frankfurt a. M. veranstalteten Ausstellung illustrierter
Notenwerke zu gewinnen waren1).

Schon der Titel der Ausstellung (Schmuck und
Illustration von Musikwerken in ihrer Entwicklung
vom Mittelalter bis in die neueste Zeit) deutete an,
daß ihrer Durchführung der historische
Gesichtspunkt zugrunde gelegt war. Sie
selbst gab sich freilich nicht auf den ersten
Blick, und für das große Publikum war es
schwierig, dem neuen Thema gegenüber
den richtigen Standpunkt zu gewinnen.
Für denjenigen aber, der sich eingesehen
hatte, bot das reichhaltige Material Gelegen-
heit zu mannigfachen Vergleichen und an-
regenden Studien. An vortrefflichen Bei-
spielen gab die Ausstellung ein fast lücken-
loses Bild der Entwickelung von einem
geschriebenen Breviarium aus dem 13.
Jahrhundert mit Neumennotierung an bis
zu Klingers Brahms-Phantasie.

Naturgemäß stand die Frage nach der
typographischen Ausstattung der Musik-
werke im Vordergrund. Da ließ sich zu-
nächst beobachten, daß die Notenschrift,
innerhalb bestimmter Grenzen etwas durch-
aus Individualisierbares ist und daß die
heute üblichen, recht charakterlosen Typen
keine Notwendigkeit sind. Der Duktus
der Notenschrift wechselt im Laufe der
Zeiten. Ferner zeigte es sich, daß Noten-
und Textsatz allein schon zu großer de-
korativer Wirkung gebracht werden können.
Das bewiesen vor allem die frühesten ge-
druckten Musikbücher, welche sich im
wesentlichen die Notenmanuskripte des
15. Jahrhunderts zum Vorbild nahmen und
so deren Ruhe und Geschlossenheit im
Seitenbild erreichten. Später verlor sich
dieser Zusammenhang. Dadurch, daß Text
und Noten nicht nach ihrem Stärke- und

Größenverhältnisse ausgeglichen waren, daß ver-
schiedenerlei Schrift auf einer Seite verwendet wurde
und der Schriftsatz Lücken aufwies, war die monu-
mentale Ruhe der früheren Arbeiten dahin.

Die Ausstellung bot eine besondere Abteilung für
Notendruck, welche mit Gersons Collectorium super
Magnificat von 1473, dem Werk mit den frühesten
gedruckten Noten, begann. Eine Ausgabe von Mo-
tetten Petruccis vom Jahre 1504 zeigte den frühesten

1) Frankfurter Kunstbesitz hatte diese Ver-
anstaltung ermöglicht. An ihr beteiligten sich:
Firma Jos. Baer&Co., die Herren Paul Hirsch
und Fr. Nie. Manskopf, die Kunstgewerbebiblio-
thek; ferner Breitkopf & Härtel in Leipzig.

BRUNO PAUL, Serviertisch aus dem Speisezimmer auf Seite 142 (ausgeführt durch die

Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, A.-O.) in Macassar-Ebenholz matt

poliert mit abnehmbarer Platte; Wandbespannung aus blaugrüngestreiftem Leinen.

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