Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 20.1909

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AUSGEFÜHRTE ARBEITEN VON C. OSSWALD



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das Chromrot über, und zwar wird die Färbung um so
röter, je stärker man die zu benutzende Natronlauge wählt.
Ganz nach derselben Methode und nach denselben Prin-
zipien erfolgt die Darstellung der Imitation des Sienna-
marmors unter Anwendung einer Kupfersalzlösung und
einer diese fällende Chromsalzlauge. q

o Es ließe sich die Aufzählung der Reihen dieser Fär-
bungsmethode noch bedeutend weiter führen, doch.mögen
diese Beispiele genügen, um zu zeigen, welche Wege zur
lichtbeständigen Färbung von Marmor beschritten werden

müssen.

Dr. E. KLIE, Berlin NW.



KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







a Der Kampf um die Fortbildungsschule. Nachdem
im »Tag« (vom 11. Mai 1909) angekündigt wurde, daß
der »Fachverband für die wirtschaftlichen Interessen des
Kunstgewerbes« sich zum Widerstand gegen die Fort-
bildungsschulen rüste, müssen wir uns auf neue Kämpfe
gefaßt machen. Es wird diesen Schulen zum Vorwurf
gemacht daß sie die Lehrlinge von der Tagesarbeit in
der Meisterwerkstatt abhielten, daß sie ihr Lehrprogramm
mit viel zu vielen theoretischen Dingen überlasten und in
zu wenig Beziehung zu der Praxis und zu den Meistern
ständen. Der erste dieser Vorwürfe bedarf eigentlich kaum
der Widerlegung denn, wer lernen soll, muß frisch und
aufnahmefähig sein, aber nicht dann erst in die Schule
kommen wenn er schon 12 Stunden auf den Beinen und
rechtschaffen müde ist. Man entgegnet, daß die Lehrlinge
in früherer Zeit das auch hätten tun müssen, bedenkt aber
nicht daß die Zeiten sich erheblich geändert haben und
ein viel umfangreicherer Stoff zu bewältigen ist. Außer-
dem, und damit kommen wir zu dem zweiten Vorwurf,
denken wir jetzt doch viel sozialer und wollen erst Menschen
und dann Handwerker erziehen. Wenn sich das Lehr-

programm also im Anfang mehr auf die allgemeine Seite
neigt, so ist das gewiß nicht schade. Unsere Lehrlinge
sollen einen Begriff von der Weltwirtschaft und von der
Bürgerkunde haben, damit sie verstehen können, was um
sie herum vor sich geht. Handwerk hat nicht mehr den
goldenen Boden wie früher; sie müssen Männer werden, die
ihre Zeit verstehen, wenn sie sich gegen die erst in den
Anfängen befindliche Industrialisierung auf den Beinen
halten wollen. Wir können dem Obermeister Rahardt, der
im Preußischen Abgeordnetenhaus die nach dem Berliner
Ortsstatut vorgeschriebenen Lehrgegenstände verlas und
meinte, nur ein Gymnasial-Abiturient könne diesen um-
fangreichen Stoff bewältigen, nicht ganz recht geben. Es
mag wohl ein bißchen viel sein, wenigstens klingt es in
der trockenen Aufzählung so, doch wird sich im praktischen
Unterricht schon manches ausgleichen; auch greifen ja die
meisten Dinge eng ineinander. — Der Zeichenunterricht
wird von den Gegnern der Fortbildungsschule bemängelt
und es wird gesagt, daß die sechswöchentlichen Kurse
für die Ausbildung der Zeichenlehrer nicht genügen könnten.
Es muß aber doch nicht vergessen werden, daß diese
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