Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 41,1.1927-1928

Seite: 151
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Ligung dcr modernen Wissenschaften nrcht erschüttern, auch wenn diese nicht
in der Lage sind, diese Inhalte zu liesern, bzw. zu schassen. Diese Inhaltc
können nur einleuchtende Gewißheiten sein; an denen sich unser Wissen, die
ganze Lebenseinstellung und Bewußtseinslage und damit auch die „Bildung"
ncu zu orientieren haben werdcn. Ob sich der Glaube: ex orients lux für diesen
Fall wieder einmal bewahrheitet, können wir mit allcr Gelassenheit abwarten.
Es kommt auch dabei wahrhafkig nicht auf ein „Nechkbehalten", sondern auf
das Erscheinen oder Nechterscheinen dieser Gewißheiten überhaupt an. Eins
aber bleibt schon jeHL gewiß: Christus ist der Erlöser, der einzige und ein-
malige und ewige — und alle Wahrheiten, die nichk zu ihm führen, werden
taube Nüsse sein.

Rationale MuM!

Von 2l. Halm in Wickersdorf

"

I ber die Notwendigkeit, Hausmusik mik Ernst zu pslegen, ja anch über die
^^Aufgabe der Hausmusik sind wir uns alle einig. Auch darin sind wir
eines Sinns, daß der Gesang, dic natürlichste musikalische Äußeruug des Men-
schen, nakurgemäß auch den Ausgangspunkt des Musizierens bildct; und nicht
minder darin, daß wir, um wieder eine Kultur des Bokalen zu finden, an die
rcinen Oucllen gehen, und die durch instrumenkale Einflüsse getrübten meiden
müssen.

Nach teils angebahnker, Leils auch schon vollzogener Erneuerung des Musik-
kreibens und der musikalischen Gesinnung darf aber nunmehr die Frage nichk
mehr als verfrüht abgelehnt werden: Wie denkt man sich das Weitere?
Manche haben sich eine Theorie, wcnigstens in allgemeinen, aber etwas leeren
Begrisscn zurechtgelegk, und zwar ist diese Theorie aus die heutige 2lrk der
Musikübung in den Jügendbünden, vor allem der Erneuerungs-Bewegung,
zugcschnitten. Jch denke dabei namentlich an Oskar Dischncrs im vorigeu
Iahrbuch des Bärenrciterverlags (1927) erschienenen Aufsatz, weil dort die
Begrisfe klar gefaßk sind und dieStellung mit aller wünschenswertenDeutlichkeit
genommcn ist. Das Positive daran beschränkt sich eigentlich aus ein Hosfen,
das zwar durch ungcsähre Umgrenzung bestimmk, aber iuhaltlich nicht recht
klar wird. Dischner sagk, daß unserem heutigen Bedürsnis die Musik eines
Dusay und sciner Artgenossen am meisten und das Beste gebe, daß aber
alles, auch was wir Beskes vorfinden, uns nur für unsere cigentliche Aufgabe
stärken müsse, nämlich einmal schasfend unseren Stil zu finden. Diese For-
derung zu stellen war deshalb wichkig und verdienskvoll, wcil sie einem beinahe
peinlich gewordenen Behagen in dcm Besitzen und Neuerschließen der alken
Schätze sich mahnend entgegenstellk. 2lber wic nun dieser von uns erst zu
sindende Stil aussehen wird, das muß Dischuer den kommenden Schöpfe-
rischen überlassen, und es ist nur in der Ordnung, daß er sich hier nicht in
prophczeienden Phantasicn ergeht; keineswegs entwertet es das von ihm
Borgebrachke, wcnn er den Raum sür das eigentlich Wichtigste, nämlich cben
das Inhaltliche, frei läßt — was ich vielmehr nur als ein Zeichen diszipli-
nierten Denkcns schätze. Außerdem süge ich noch bei, daß ich Melem auch sciner
angreifenden Kritik gcrne beipflichte.
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