Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

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des Wortes im Lexikon hingegen, d. h. also der Verzicht auf problemlösendes
Denken, und das Heraussuchen einer einigermaßen kontext-angemessenen
Bedeutungsangabe kann sehr zeitraubend und bei mehrfacher Wiederholung
für den Schüler verhängnisvoll sein.
Schlußbemerkung:
Die Zulassung eines zweisprachigen Lexikons durch die KMK-Vereinba-
rung schafft zwar ein neues Recht; dabei sollte aber nicht übersehen werden,
daß die Möglichkeit, mit dem Lexikon zu arbeiten, den Schüler zwar von
einem gründlichen Vokabelernen befreit, aber außerdem noch problemlösen-
des Denken überflüssig macht. Da hilft auch die vielfach zu hörende Recht-
fertigung nicht weiter, man müsse den Schüler nur im richtigen Gebrauch des
Lexikons unterweisen und außerdem sei das Lexikon erst in der Oberstufe
zuzulassen. Daß die Benutzung des Lexikons dem Schüler, der vor der Wahl
seiner Prüfungsfächer steht, als psychologischer Wink dienen soll, ist zu ak-
zeptieren und vor allem wohl auch aus diesem Grund in das Papier der Fach-
kommission aufgenommen. Das entspräche voll und ganz einer Grundtendenz
des ganzen Papiers, nämlich zum Ausdruck zu bringen, daß Latein nicht
schwerer sei als andere vergleichbare Fächer.

DAV und Normenbücher
Wenn der Eindruck nicht trügt, haben die Normenbücher für Latein und
Griechisch bisher wenig in Bewegung setzen können. Von Regelungen abge-
sehen, die länderintern für die Durchführung der Erprobung erlassen wurden,
scheint alles beim alten geblieben zu sein. Es ist sogar die Sorge nicht mehr
von der Hand zu weisen, daß die Normenbücher, anstatt zur Vereinheitlichung
beizutragen, ländereigenen Wegen in der Praxis der Reifeprüfung am Ende
Vorschub leisten.
Die Frage, was vom DAV getan werden könnte, um eine größere Einheit-
lichkeit der Handhabung zu sichern, wurde auf der Vertreterversammlung in
Köln (21. 4. 76) diskutiert. Anlaß war ein Vorstoß des LV Hessen. Angesichts
der in den Bundesländern schon angelaufenen Erprobung einigte man sich in
Köln darauf, daß zunächst eine Arbeitsgruppe aus Vertretern verschiedener
Bundesländer gebildet werden sollte, die die Aussichten für das Zustande-
kommen von DAV-Empfehlungen untersuchen und darüber der nächsten
Vertreterversammlung (Aschaffenburg, Januar 1977) berichten sollte. Erst
wenn dieser Bericht positiv ausfiele, sollte ein Beschluß über die Bildung eines
„Normenbuch-Ausschusses“ gefaßt werden.
Der Kölner Stellungnahme, die auf schnelle Empfehlungen verzichtete und
manchem Leser deshalb als zu abwartend Vorkommen mag, lag die Über-
legung zugrunde, daß bei dem Umfang des Problemkatalogs (z. B.: Aufga-
benstellung, Bewertungskriterien, Lernzielkataloge, Korrekturverfahren) und
angesichts der von Bundesland zu Bundesland bestehenden Unterschiede in

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