Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

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„Zur Kooperation der einzelnen fremdsprachlichen Fächer“1
Ein neues Buch über „die Grundlagen des Fremdsprachenunterrichts in der
Sekundarstufe II“ zieht die Aufmerksamkeit auch des Latein- und Griechisch-
lehrers - so möchte man annehmen - auf sich, unterrichtet er doch ebenso wie
der Englisch- oder Französischlehrer Fremdsprachen. Leider - und das sei
gleich gesagt - wird derjenige enttäuscht, der die Lektüre einer wirklich
fächerübergreifenden Fremdsprachendidaktik erwartet. Denn bereits im Vor-
wort wird eine Einschränkung vorgenommen: „die Darstellung erfolgt . . .
aus fächerübergreifend-raettphilologischer Sicht“. Sollte der Altphilologe das
Buch also wieder schließen, weil es ihn nicht betrifft? Daß diese Reaktion
falsch wäre, wollen die folgenden Betrachtungen verdeutlichen.
Der Altphilologe wird sich schon dadurch herausgefordert fühlen, daß die
angekündigte und auch verwirklichte Beschränkung auf die neuen Sprachen
mit keinem Wort begründet wird. Er wird sich vielleicht ärgerlich fragen, ob
denn altsprachlicher Unterricht etwa kein fremdsprachlicher Unterricht sei
oder ob man jenen stillschweigend übergehe, um diesen ungezwungener dar-
stellen zu können. So kann es aber eigentlich nicht sein, gibt es doch eine be-
achtliche Zahl „echter“ Fremdsprachenlehrer, die sich als Neuphilologen und
Altphilologen zugleich verstehen und sicher energisch protestieren würden,
wenn man ihnen zu verstehen gäbe, daß sie nur eine Fremdsprache in der
Schule verträten.
Die fehlende Begründung für eine zwar „fächerübergreifende“, aber aus-
schließlich „neuphilologische Sicht“ ist kaum mehr verständlich, wenn man in
demselben Vorwort liest, daß sich die Fachcurricula innerhalb des Kurs-
systems der Sekundarstufe II nicht isoliert planen und durchführen ließen,
sondern daß die engen Beziehungen zwischen den einzelnen Fächern des
sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeldes explizit in alle Erwä-
gungen eingehen müßten. Ein weiterer Stein des Anstoßes: Die Autoren ver-
sprechen, „die besondere Problematik der zweiten Fremdsprache“ zu be-
rücksichtigen. Daß aber auch Latein eine zweite Fremdsprache ist, wissen sie
anscheinend nicht. Sie stellen lapidar fest, die zweite Fremdsprache sei „in der
Regel“ Französisch (S. 183).
Die Publikation will als „Handbuch“ des Fremdsprachenunterrichts in der
Sekundarstufe II benutzbar sein. Sie enthält daher ein ausführliches Sach-
register, das - wie nun zu erwarten - kein Stichwort „Latein-“ oder „Grie-
chischunterricht“ bietet. Entsprechendes gilt für die bibliographischen Anga-
ben, die auf „leicht zugängliche Publikationen, vorwiegend aus der Zeit nach
1970“ verweisen, ohne freilich einen einzigen Titel aus dem Bereich der alt-
sprachlichen Didaktik zu enthalten.

1 Überschrift eines Kapitels aus dem Buch von Ulrich Bliesener und Konrad Schröder:
Elemente einer Didaktik des Fremdsprachenunterrichts in der Sekundarstufe II.
Didaktische Reflexionen, Entwürfe und Modelle. Schule und Forschung. Eine Schrif-
tenreihe für Studium und Praxis. Heft 27, Frankfurt (Diesterweg) 1977.

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