Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

Page: 13
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erschließung behandelt. - Es wäre gewiß verfehlt, von einem Kongreß,
der Altphilologen von Universität und Schule aus Ländern ganz unter-
schiedlicher Bildungstradition zusammenführt, konkrete Ergebnisse zu er-
warten. Doch lassen sich Eindrücke subsumieren: 1) zum Thema „Interpre-
tation“: Wenn die Veranstalter den stark wissenschaftsorientierten Begriff
„Globalinterpretation“ in der deutschen Fassung des Themas durch „Gesamt-
interpretation“ ersetzt haben, entspricht das nur der hierzulande anderen
Zielrichtung: existentielle Auseinandersetzung und Orientierungshilfe. Auf
der anderen Seite gibt es Übereinstimmungen: 2) ein Consensus der Moti-
vation: die Einsicht, daß der Lehrer bei seinen unterrichtlichen Entscheidungen
stärker auf die Schüler und ihre Neigungen abheben muß, ist allgemein;
3) Consensus auch darin, daß die überall kritischen Voraussetzungen für die
Arbeit in den Alten Sprachen zum Ausgangspunkt neuer Wege werden müs-
sen, z. B. durch verbesserte Didaktik des Sprachunterrichts, durch geeignete
Kommentare und reichliche Hilfen.
Prof. P. Wülfing, Köln, wies in seinen Ausführungen zur fachpolitischen
Situation in den Mitgliedsländern auf zahlreiche noch offene Probleme hin
(z. B. das Verhältnis von Sprachkurs und Lektüre, die Spätanfängerkurse,
vielfach früh einsetzenden Lateinunterricht mit (zu) früher Abwahl, die Lage
des Griechischen, die Notwendigkeit der Fortbildung, das Angebot von Kursen
in Altertumskunde). Von der Lösung dieser Fragen sei es weitgehend ab-
hängig, wieweit die Schüler vom Sinn unseres Angebotes überzeugt würden
und das antike Erbe in der Schule gesichert bliebe: der Schüler könne als
Verbündeter gewonnen werden, nur mit ihm sei die Zukunft zu gewinnen.
Ein Bericht wäre unvollständig ohne die Erwähnung des Atmosphärischen.
Außer der Attraktivität des genius loci verdient das Rahmenprogramm her-
vorgehoben zu werden: die feierliche Eröffnung in der Aula Magna der Uni-
versität, die Empfänge, die Aufführung der Carmina Burana im Theater
Morlacchi, nicht zuletzt der eindrucksvolle Ausflug nach Gubbio mit dem far-
benprächtigen „Palio della Balestra“ im Palazzo Ducale. Für die Art, wie das
COLLOQUIUM vorbereitet und durchgeführt worden ist, verdienen die Ver-
antwortlichen in Stadt und Universität reichen Dank. Der gebührt auch den
hilfsbereiten und kompetenten Kräften im Tagungsbüro und in den Dol-
metscherkabinen.
Möge das COLLOQUIUM, das in 2 Jahren in Amsterdam tagen soll, unter
nicht weniger erfreulichen Auspizien stehen.
Adolf Clasen, Lübeck

Buchbesprechungen
Egon Römisch, Metamorphosen Ovids im Unterricht, Heidelberger Texte-Didak-
tische Reihe, Heft 9, F. H. Kerle Verlag, Heidelberg 1976.
Wer Egon Römisch gekannt hat, weiß, daß seine Interpretationen von Schul-
autoren beispielhaft sind. Auf rund 130 Seiten behandelt er hier die lykischen Bauern,
Niobe, Orpheus und Eurydike, König Midas, Battus, Pyramus und Thisbe. Da sich in
jeder Altersstufe die Qualität dichterischer Aussage demonstrieren läßt und Ovid

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