Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

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wissenschaftlich - sprachliche Fähigkeiten in ihrer Bedeutung eher etwas zu-
rücktreten.
Im einzelnen gewährt die Untersuchung noch manche interessante Aspekte.
So wird z. B. eine alte, häufig gemachte Beobachtung auch hier (S. 53 f.) be-
stätigt: In den Fächern Religion, Musik und Kunst wird mit Abstand am
mildesten zensiert. Am Ende der Skala der ,strengen1 Noten steht Französisch,
darüber Englisch, Mathematik, an viertletzter Stelle Latein, sodann Grie-
chisch - alle deutlich unter der durchschnittlichen Gesamtnote.
Eine Beziehung zwischen der Berufsposition des Vaters und den Testlei-
stungen läßt sich nicht erkennen (S. 51). Es ist also nicht möglich, das günstige
Abschneiden des altsprachlichen Zweigs in schichtenspezifischen Lernvorteilen
der Schüler zu suchen.
Die besten Testergebnisse zeigten übrigens (S. 30) mit klarem Abstand die
bayrischen Abiturienten. Die Vertreter Schleswig-Holsteins liegen - nur
noch vor Bremen, Hamburg und (deutlich an letzter Stelle) Hessen - auf dem
8. Platz.
Die Altsprachler dürfen mit dem Ergebnis dieser Befragung zufrieden sein.
Es bleibt zu hoffen, daß bei möglichen Veränderungen der reformierten
gymnasialen Oberstufe, besonders bei einer Korrektur ihrer weit kritisierten
Sprachenfeindlichkeit, ebenso bei Überlegungen zur Orientierungsstufe (La-
tein als 1. Fremdsprache!) und zu den Klassen 7-10 eine derartige deutliche
Bewährung des altsprachlichen Unterrichts berücksichtigt wird.
(Dr. Hansen)

Buchbesprechung
Ernst Kirsten, Süditalienkunde (Ein Führer zu klassischen Stätten), Bd. 1 (Cam-
panien und seine Nachbarlandschaften), C. Winter, Heidelberg 1975, 659 S., 64.- DM
Nicht nur der Fachmann sollte es begrüßen, daß Ernst Kirsten in einer Zeit, die
vom Tourismus entscheidend mitgeprägt wird, einen zuverlässigen Begleiter für
Studien in Süditalien geschaffen hat. Die inhaltl. und drucktechn. Gestaltung ent-
spricht der der bewährten „Griechenlandkunde“ (5. Aufl. 1967). Der klare geschichtl.
Überblick reicht vom Beginn der Metallzeit bis zum Ende der Staufer. Zu Recht ste-
hen die Ausgrabungen antiker Stätten und die Beschreibung archäolog. Befunde der
Magna Graecia im Mittelpunkt, jedoch auch die mittelalterlichen Befestigungen und
die byzant.-christl. Bauten kommen nicht zu kurz. Die Kap. I/II behandeln Landschaft
und Geschichte des gesamten Mezzogiorno, - die naturkundl. Einleitung auf den S.
12-33 stammt von Dr. F. Hamm (t), Direktor am Geolog. Landesamt Hannover -,
die Einzeldarstellung klammert Apulien, die Küste der Basilicata und einen Großteil
Calabriens für Bd. 2 aus: aus gutem Grund, da sonst der Führer zu unhandlich ge-
worden wäre. Verfasser der zentralen Kap. VIII-X (Herculaneum, Pompei, Posei-
donia-Paestum) ist Prof. Dr. H. Riemann, der sich vielen von uns bei den Pompei-
Kursen des Dtsch. Archäol. Inst.’s in Rom als Kenner der Materie empfohlen hat. 111
Abb. im Text (Grundrisse, Schnitte, Grabungspläne) und auf 12 Kunstdrucktafeln
ergänzen den Text. Mit einem Wort: es ist ein Führer entstanden, dem in unserem
Sprachraum nichts Vergleichbares an die Seite gestellt werden kann. Ein ausführliches

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